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Artikel aus der Eberbacher Zeitung vom 24.7.06 zum Nazi-Aufmarsch am 22.7.06 :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::: NPD in Südhessen DARMSTADT. Problemlos und ohne besondere Vorkommnisse verliefen im Bereich Südhessen mehrere angemeldete Mahnwachen und Gegenveranstaltungen. In Lindenfels, Höchst und Reichelsheim gab es Mahnwachen der NPD mit je etwa 40 Teilnehmern. In Fürth, Höchst, Erbach sowie in Darmstadt fanden Gegenveranstaltungen statt. Die Polizei begleitete die Veranstaltungen. :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::: DEMONSTRATION / Kein Publikum für die Rechten Die NPD bleibt unter sich„Nazis raus!" von etwa 250 Gegendemonstranten gegen Ende des Umzuges war die einzige Resonanz, auf die am Samstag Nachmittag etwa 120 NPD-Demonstranten stießen. Ansonsten blieben sie, von einem großen Polizeiaufgebot begleitet, in Eberbach praktisch unter sich. REINHARD GÖLLER Die Rechnung von Bürgermeister Bernhard Martin, Kirchen. Schulen und anderen, die zu einer Gegendemonstration ohne Konfrontation aufgerufen hatten, mit der sie auf der anderen Neckarseite „der NPD den Rücken zeigten" (siehe getrennter Bericht), ging auf. Sie mussten nur hinnehmen, von einem Transparent anderer Gegendemonstranten auf dem Bahnhofsplatz bezichtigt zu werden, vor der NPD „in die Hose zu machen". Die etwa 120, vor allem junge, NPD-Demonstranten, die aus dem Hessischen mit der Bahn angereist waren, wurden von der Polizei westlich des Bahnhofsgebäudes empfangen. Da sie dort zunächst mit allen Sicherheitsauflagen vertraut gemacht wurden, begann ihr Marsch durch die westliche Innenstadt mit einigen Minuten Verspätung. Ein Einspruch der NPD vor allem dagegen, nicht durch die Geschäftstraßen gehen zu dürfen, war rechtzeitig vom Verwaltungsgericht noch abgelehnt worden. Die Polizei hatte sich vor allem zur Aufgabe gesetzt, keine Gruppen aneinandergeraten zu lassen. Dem großen Bereitschaftsaufgebot mit Polizisten aus ganz Nordbaden gelang dies mühelos, schon weil sich außer genannten Gegendemonstranten auf dem Bahnhofsplatz praktisch kein Publikum für die Rechten einfand. Die skandierten Rufe verhallten in der Itter-, der Garten-, der FriedrichEbert- und schließlich der Luisenstraße weitgehend ungehört. Viele Bürger hatten einem Aufruf gemäß ihre Rollläden heruntergelassen, einige gaben aus ihren Vorgärten ihrem Missfallen Ausdruck. Eine eigene Kundgebung mit etwa 50 Teilnehmern hielt der DGB-Ortsverein vor der Berufsschule ab, aber auch diese blieben weitgehend unter sich. Bei ihrer Rückkehr an den Bahnhofsplatz wurden die Rechten mit Pfiffen und Rufen „Nazis raus!" empfangen. Die Polizei hielt jedoch die Gruppen auseinander, so dass sie sich bis zur Abfahrt der' NPD-Demonstranten mit der S-Bahn aus sicherer Entfernung ihre gegenseitige Missachtung kundtun mussten. Bildunterschrift: Eine „6" in Geschichte gaben einige der NPD auf ihrem Zug. Foto: Göller ::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::: Buntes Fest gegen braune GewaltSignal gegen Rechtsradikalismus - In 48 Stunden Programm mit Musik und Tanz erstellt Eta 150 Gegendemonstranten versammelten sich am Samstag um 16.30 Uhr im Schulhof der Dr.-Wei߬Grundschule, um dem zur gleichen Zeit geplanten NPD¬Aufmarsch „den Rücken zu¬zukehren". Noch einmal 100 schlossen sich dem Zug auf seinem Weg ins Freibad an. Dort wurde mit der sponta¬nen Zusage von fünf Live-Bands und der Dance & Act-AG fröhlich gefeiert. MARTINA WEYRAUCH Hauptamtsleiter Arndt Zimmer¬mann ist bunt bekleidet und bei bes¬ter Laune. Er hält das Mikrofon, über das Bürgermeister Bernhard Martin die etwa 150 Bürgerinnen und Bürger zum Start der Gegendemo aufruft. Unter ihnen die Organisatoren: Gemeinderatsmitglieder, Leiter der Eberbacher Schulen udn der Eberbacher Kirchengemeinden. Als „Ordner" sind Mitarbeiter der Stadtverwaltung eingesetzt, ein Polizeibeamter begleitet den Trupp auf dem Motorrad. Friedlich läuft der Zug trotz Nie¬ selregens und nahender Gewitter¬ wolken los. Über die Neckarbrücke und am Flussufer entlang ins Eber¬bacher Freibad. Auf der Bühne dort versammeln sich die Organisatoren der Demo. „Wer den Glatzköpfen eine Bühne geben will, auf der sie sich versammeln, der tue das - wir tun es nicht", gibt sich Martin entschlossen. Er dankt allen, die in den wenigen Stunden geschuftet haben, um den Ablauf der Veranstaltung vorzubereiten. „Es ist wichtig, dass wir dies tun, und der Menschen verachtenden Gruppe den Rücken zudrehen", sagt Gemeinderatsmitglieder, Leiter der Dekanin Hiltrud Schneider-Cimbal. Eberbacher Schulen und der Eberba- Sie freut sich, dass sich so viele ver¬schiedene Menschen miteinander verbunden haben, mitorganisiert haben und mitgelaufen sind. Für die Rektorin der Realschule, Regine Satt¬ler-Streitberg, ist die Veranstaltung ein „klares Signal gegen faschisti¬sches Denken". Kreisrat Manfred Wernz fordert dazu auf, bei den Wah¬len ein Zeichen zu setzen. „Steht auf, wenn ihr Demokraten seid", ruft er. Auch wenn der leichte Regen die Veranstaltung etwas trübt, wird unter der Moderation von Rektor Stefan Frey gefeiert. Spontan hatten sich zwei Tage zuvor viele Mu¬siker zu einem Auftritt bereiterklärt. Die Bands „Overflow" und „Unintended", die am Abend noch beim Hedgehog-Festival in Igelsbach auftraden, machten den Anfang. Das Duo „Chris und Michael" mit exzellenten Cover-Songs, die Rockgruppe „EX" und „Sunny side up" folgen. Zum Ab¬schluss tritt noch die Dance & Act¬ AG der Realschule auf. Für Bewirtung sorgt das Kulturlabor. Auch wenn im Schwimmbad alle fröhlich waren, blieb bei vielen die Ungewissheit: „Was ist wohl auf der anderen Seite des Neckars los?". Über verschiedene Handys wurden Informationen ausgetauscht, doch ganz wohl war während der Stunden kaum einem. Bildunterschriften Ebenfalls Ebenfalls dabei: ,,Uninteded". "EX" rockt gegen Rechts. LESERBRIEFFalsche Parole ZUR NPD-DEMONSTRATION AM SAMSTAG. „Ohne uns" - das ist die falsche Parole und die falsche Verhaltensweise. „Ohne mich" hieß es in den fünfziger Jahren gegen die Wiederaufrüstung Deutschlands. „Ohne mich" - das heißt: ich werde nicht Soldat, ich mache euren Krieg nicht mit. Der NPD jedoch darf man nicht den Rücken kehren. Wenn ich die braune Horde nicht in meiner Stadt haben will, dann darf ich nicht zu einer Protestveranstal tung außerhalb der Stadt ins Schwimmbad gehen! Die Polizeiführung entscheidet sich im Konfliktfall für die leichtere Aufgabe. Das war am 22. Juli 2006 in Eberbach, der NPD die Straße freizumachen und die Gegendemonstranten zurückzuhalten. Wären aber alle Demokraten vor dem Bahnhof gestanden, dann hätte die Polizeiführung sich anders entscheiden müssen. Das ist die Erfahrung aus anderen Städten. DGB Region Starkenburg Pressemitteilung Der Odenwald wehrt sich gegen Neonazis!DGB wertet Protestaktionen als vollen Erfolg ODENWALDKREIS. Als „vollen Erfolg“ werten die DGB-Region Starkenburg und der DGB Odenwaldkreis die Protestaktionen gegen die Nazi-Kundgebungen im Odenwald. „Der breite Protest der Bevölkerung hat deutlich gemacht, dass Neonazis mit ihrer verbrecherischen Ideologie im Odenwald nicht erwünscht sind“, betont DGB-Organisationssekretär Horst Raupp (Darmstadt). „Die Außenwirkung der wenigen angereisten braunen Demonstranten war gleich null. Die reaktionären Parolen der Neonazis gingen in den Sprechchören der Demokratinnen und Demokraten komplett unter, die angekündigten Nazi-Kundgebungen in Groß-Umstadt, Bad König und Rimbach fanden aufgrund des breiten demokratischen Widerstandes erst gar nicht statt. Im Odenwald beißen die Nazis auf Granit - und das ist auch gut so!“. Die DGB-Region Starkenburg dankt allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Anti-Nazi-Kundgebungen in Höchst i. Odw. und Erbach für ihr demokratisches Engagement. Der DGB bedankt sich außerdem ausdrücklich „bei den Kolleginnen und Kollegen der Polizei für die gute Zusammenarbeit im Vorfeld der Kundgebungen und bei ihrer Durchführung“. Wie berichtet hat sich gegen den Nazi-Aufmarsch im Odenwald ein breites Aktionsbündnis gebildet, das aus Gewerkschaften, demokratischen Parteien, Jugend- und Sozialverbänden sowie kirchlichen Gruppen besteht. Dem Bündnis gehören mittlerweile fast 50 Organisationen an. Um nicht nur zu reagieren, wenn Neonazis aufmarschieren wollen, sondern gegen Rechtsextremismus und Neofaschismus offensiv zu agieren, wird der DGB Odenwaldkreis nach den Sommerferien zur Gründung eines Odenwälder Bündnisses gegen rechts einladen. Ein Schwerpunkt des Bündnisses ist der Ausbau der antifaschistischen Jugend- und Kulturarbeit im Landkreis. Horst Raupp Organisationssekretär Klare Signale und Zivilcourage gefragtNazigegner halten die Kontrahenten in Schach POSITIONIERUNG: Etwa dreihundert Gegner von Rechtsradikalismus fanden sich am Samstag am Bahnhof in Erbach ein, um ein Zeichen gegen die angekündigten Veranstaltungen der NPD zu setzen. (Foto: Guido Schiek) HÖCHST. „Aktionen der NPD auf diesem Platz wären eine Verhöhnung der Opfer des Faschismus“, befand Horst Raupp, Organisationssekretär der DGB-Sektion Starkenburg am Samstag bei einer Kundgebung gegen einen NPD- Aufmarsch, wobei diese unter dem Motto „Freie Menschen statt freie Märkte – Kapitalismus und Globalisierung stoppen“ Punkte sammeln wollten. Dass es nicht dazu kam, war in erster Linie einem einstimmig vom Gemeindeparlament befürworteten Antrag der SPD-Fraktion zu verdanken (wir berichteten) sowie dem Vorpreschen des Höchster Bürgermeisters Reiner Guth, der im Vorfeld ein Verbot von NPD-Aktivitäten auf dem Montmélianer Platz erwirkt hatte. Dennoch musste der Verwaltungschef auf gerichtliche Anordnung einen Platz zur Verfügung stellen, auf dem sich die Rechtsradikalen versammeln durften. Allerdings hatten diese ihre Rechnung den Bürgermeister gemacht. Dieser hatte nämlich die Neonazis auf den Parkplatz Eckgasse hinter der Gaststätte „Altes Sudhaus“ verbannt, ein baulich eingegrenztes Areal, das dem im klimatisierten Bus angereisten, vergleichsweise kleinen braunen Grüppchen keinerlei Entfaltungs-möglichkeit bot und von den durch Bereitschaftspolizei verstärkten Höchster Polizeikräften problemlos in Schach gehalten werden konnte. Als eine Front von Demokraten bezeichnete der DGB-Funktionär die im Höchster Gemeindeparlament vertretenen Fraktionen, die gemeinsam mit dieser Organisation und anderen überwiegend links orientierten politischen Gruppierungen und Unterstützung aus der Höchster Bevölkerung Flagge gezeigt und damit deutlich gemacht hatten, dass in Höchst „für braune Volksverhetzer mit ihren dumpfen, reaktionären, rassistischen Hetz- und Hassparolen kein Platz ist“. Dies auch deshalb, weil 1933 der Höchster SPD-Vorsitzende und Gewerkschafter Wilhelm Fröhlich von den Nazis in seinem Heimatort erschossen worden war und diese 1938 die Höchster Synagoge, die damals im Bereich des Montmélianer Platzes stand, überfallen und zerstört hatten. Diese Kundgebung, so Raupp, sei auch eine Stunde der Erinnerung an mehr als 60 Millionen Menschen, die in dem sechsjährigen Angriffs-, Vernichtungs- und Eroberungskrieg, der von Nazi-Deutschland ausgegangen war, gestorben sind und an jene acht Millionen, die von den Faschisten in Konzentrations- und Vernichtungslager verschleppt, zu Tode gequält und ermordet worden sind. Eine Erinnerung auch an die fabrikmäßig organisierte Ermordung von Millionen europäischer Juden, von Kriegsgefangenen, Zwangsarbeitern, Sinti und Roma. Daher muss den Holocaustleugnern und Geschichtsfälschern der rechtsradikalen Szene offensiv in allen Bereichen des täglichen Lebens entgegen getreten werden. Notwendig ist ein gesellschaftliches Klima, in dem für Rassismus, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Faschismus kein Platz mehr ist. Es sei höchste Zeit, dass dem „Aufstand der Anständigen“ gegen die Neonazis ein „Aufstand der Zuständigen“ folgt. Politische Versäumnisse dürften nicht auf dem Rücken der Polizei ausgetragen werden. Der Gesetzgeber sei gefordert, der Justiz Möglichkeiten an die Hand zu geben, um Neonazi-Aktivitäten wie solchen im Odenwaldkreis vollends zu unterbinden. Bei der Bekämpfung des Neofaschismus bestehe dringender Handlungsbedarf, zumal das Grundrecht der Meinungsfreiheit von rechtsextremen Gruppen regelmäßig zur Verbreitung ihrer Menschen verachtenden Hetzparolen missbraucht werde. Daher sei es eine zentrale Forderung des DGB, alle faschistischen Parteien und Organisationen zu verbieten. Die Gründe dafür liegen auf der Hand und werden von Zahlen erschreckend belegt: Laut Bundesinnenministerium sind im vergangenen Jahr 10 271 rechtsextremistische Straftaten verübt worden – Nazi-Schmierereien, Schändung und Verwüstung jüdischer Friedhöfe, Brandstiftungen, schwere Körperverletzungen, Mord und Totschlag. Von 1990 bis heute sind in Deutschland mehr als 140 Menschen von Neonazis ermordet worden. Daher könne das Treiben der Neonazis allein mit dem Hinweis auf die Feststellung des 13 Jahre lang in Nazi-Konzentrationslagern geschundenen damaligen Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei, Kurt Schumacher, „Faschismus ist die restlose Mobilisierung der menschlichen Dummheit“, nicht definiert werden, der braune Sumpf müsse endlich trocken gelegt werden. Schließlich machten sich auch in Südhessen, besonders im Nachbarkreis Bergstraße die braunen Verbrecher breit. Deren Aufmärsche, rechtsextreme Konzerte, die Verwüstung jüdischer Friedhöfe und die Zunahme antisemitischer Schmierereien machten deutlich, dass es in dieser Region aktive Nazistrukturen gibt. Erst vor wenigen Tagen ist der Gedenkort Güterbahnhof Darmstadt, der an die Deportation und Vernichtung jüdischer Gemeinden erinnere, von Neonazis schwer beschädigt worden. Daher seien klare und deutliche politische Signale und Zivilcourage jedes Einzelnen mehr denn je gefragt. Zwar war am Ende der Kundgebung die Parole ausgegeben worden „Wir lassen die Rechten links liegen“. Möglicherweise waren es Neugier oder die schnell erkannte zahlenmäßige Überlegenheit der Neonazigegner, die anschließend gegenüber dem rechten Lager zu in Sprechchören gebündelten Provokationen und damit bei den Sicherheitskräften zu Kopfschütteln führte. Diese nutzten die Wilhelminenstraße als Demarkationslinie und hielten die Kontrahenten so lange in Schach, bis die Rechten ihre Transparente einrollten und mit hängenden Ohren das Feld räumten. Damit, so die abschließende Beurteilung, wurde den Rechtsradikalen doch noch jene Beachtung zuteil, die im Vorfeld der Kundgebung weder gewollt noch gewünscht worden war. Denn: Ohne dieses Spektakel wären die Neonazis in Höchst überhaupt nicht aufgefallen. Mehr dazu im Lokalteil der Montagausgabe (24.07.2006) des „Odenwälder Echo“. Wolfgang Kraft 23.7.2006 Darmstädter Echo ::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::: „Schwitzen gegen Rechts“Kundgebung: Linke Gruppen protestieren auf dem Luisenplatz gegen neonazistische Strukturen und Aufmärsche im Odenwald Die Demonstranten stehen im Schatten am Rande des Luisenplatzes, auf den die Sonne brennt. Eine junge Frau besprüht sich mit Wasser aus einem umfunktionierten Essigzerstäuber, eine andere wedelt sich mit einem Fächer Luft zu. „Schwitzen gegen Rechts“ ruft Uffbasse-Stadtverordneter Jörg Dillmann scherzend die Parole aus. Weniger als hundert Menschen haben sich am Samstagvormittag zusammengefunden, um gegen die zu dem Zeitpunkt parallel anlaufenden Aufmärsche v protestiert. Um überhaupt die Kundgebung genehmigt zu bekommen, mussten sich nach einer Auflage des Verwaltungsgerichts Darmstadt die Neonazis mit einem entlegenen Parkplatz als Aufmarschgebiet zufrieden geben. Ursprünglich wollten sie auf dem Montmelianer Platz demonstrieren - dem Platz, wo bis 1938, dem Jahr ihrer Zerstörung durch Nationalsozialisten, die jüdische Synagoge stand. Aus Sicht des DGB eine kalkulierte Provokation. "Das Grundrecht der Meinungsfreiheit wird von rechtsextremen Gruppen regelmäßig missbraucht zur Verbreitung ihrer verbrecherischen, menschenverachtenden, rassistischen und antisemitischen Propaganda. Dem muss endlich ein Riegel vorgeschoben werden", forderte DGB-Sekretär Horst Raupp. Auch nach Fürth, Erbach und Darmstadt kamen Gegendemonstranten von Parteien, Schulen, Kirchen, Gewerkschaften und Antifa-Gruppen. Letztere waren vor allem in Darmstadt vertreten. Am Luisenplatz kamen nach Polizeiangaben etwa 60 Protestierende zusammen. Nach Einschätzung eines Redners haben sich neonazistische Strukturen im Odenwald und an der Bergstraße seit 2001 so stark etabliert, "dass demokratisch gewählte Politiker, etwa von SPD, Grünen oder WASG, immer wieder von Rechtsradikalen belästigt werden." Das setze sich fort, da sich auf dem Land eine "Wegschaumentalität" breit gemacht habe. Stephen Wolf [ document info ] Copyright © FR online 2006 Dokument erstellt am 24.07.2006 um 00:05:32 Uhr Erscheinungsdatum 24.07.2006 | Ausgabe: S | Seite: 32 Rechtsradikaler Aufmarsch ohne ZwischenfallDas bisher größte Polizeiaufgebot in Eberbach trennte NPD-Demonstranten von den im Zentrum verbliebenen Gegendemonstranten Eberbach. (MD) Die befürchteten Krawalle blieben aus. Abgesehen von verbalen Attacken und einem Flaschenwurf verlief die Demonstration der hessischen NPD am Samstag friedlich. Über 700 Polizisten waren aufgeboten, um Ausschreitungen Schreitungen schon im Keim zu ersticken. Gegen halb fünf reisten etwa 120 Anhänger der rechtsextremen Partei per Bahn an. Die Hundertschaften der Polizei hatten da das Gelände bereits weiträumig abgesperrt und hielten die dort versammelten rund 150 Gegendemonstranten, darunter etliche Türken und Italiener auf Distanz. Ein derart großes Polizeiaufgebot hatte Eberbach bis dato noch nicht gesehen. Auf die behördlichen Vorgaben für die Demonstration wurden die hessischen Parteigänger eingangs von ihrem Landesvorsitzenden Marcel Wöll hingewiesen. So hatte das Verwaltungsgericht den Widerspruch der Rechtsextremen gegen die gewünschte Route durch die Altstadt abgelehnt, ihnen jedoch einige Fahnen mehr zugebilligt. Anschließend folgte eine knapp zehnminütige Beschimpfung des „Großkapitals", ehe unter Polizeigeleit und unterbrochen von lautstarken Protesten und heftigem Trillerpfeifen durch Luisen-, Itter- und Gartenstraße gezogen und laut gegen die etablierten Parteien skandiert wurde. Überall an Zäunen, Laternenmasten und Verteilerkästen prangten Plakate mit der Aufschrift „Ohne uns". An der Ecke zur Friedrich-Ebert-Straße wurde dann nochmals eine „Kundgebung" abgehalten, begleitet von Zwischenrufen und Transparenten einiger Anwohner. Dann ging's zum Bahnhof zurück, wo die meist recht jungen Rechten bald wieder mit dem Zug verschwanden. Die zwei vorsorglich nach Eberbach beorderten Wasserwerfer kamen nicht zum Einsatz. Lediglich ein Gegendemonstrant, der eine Flasche geworfen hatte, wurde vorübergehend festgenommen. Die erwarteten südhessischen „Antifa"-Gruppen hatten morgens überraschend per Internet angekündigt, doch nicht an den Neckar reisen zu wollen. Derweil hielt der DGB bei den Beruflichen Schulen eine kurze Gegenkundgebung ab, an der nach Poli zeiangaben etwa vierzig Personen teilnahmen. Weit mehr Gegendemonstranten waren dem Aufruf von Stadt, Fraktionen, Parteien, Schulen und Kirchen gefolgt. An die 150 Bürger versammelten sich nach Schätzungen von Bürgermeister Bernhard Martin im Hof der Dr.-Weiss-Schule und zogen anschließend gemeinsam über die Neckarbrücke zum Freibad, wo übers Wochenende das 70-jährige Bestehen der Einrichtung gefeiert wird. Dort stießen noch einige hinzu. In einer kurzen Begrüßung freute sich Bernhard Martin, dass Eberbach binnen weniger Tage eine derart eindrucksvolle und friedliche Gegendemonstration auf die Beine gestellt und man der NPD buchstäblich „den Rücken gekehrt" habe. Weitere Unterzeichner des Aufrufs gaben ebenfalls kurze Erklärungen ab. Dann war, Feiern angesagt (siehe nachfolgenden Bericht). Bildunterschrift: Mehrere Hundertschaften Polizei sorgten auf dem Bahnhofsplatz dafür, dass der Aufmarsch hessischer Nazis friedlich verlief. Die eigentliche Gegendemonstration fand unterdessen im Freibad statt. j/Foto: Reinmuth RNZ Ausgabe Eberbach 24.7.06 Nach zwei Stunden war der braune Spuk vorbeiDie Polizei hielt die Demonstranten und ihre Gegner auf Distanz. (Fotos:Richter) (hr) Ohne Zwischenfälle verlief die Demonstration des hessischen NPD-Landesverbandes heute Nachmittag in Eberbach. Die Auseinandersetzungen zwischen den rund 120 meist jungen Rechtsextremisten und ihren Gegnern blieben rein verbaler Natur. Dafür sorgte letztendlich ein Polizeiaufgebot, wie es Eberbach noch nicht gesehen hat. Weit mehr als 500 Beamte hielten die Demonstranten und die gut 250 Zuschauer und Gegner auf Distanz. Letztere hatten sich vor allem auf dem Bahnhofsplatz eingefunden, um lautstark den NPD-Anhängern Paroli zu bieten. Der Weg des Demonstrationszuges war vom Landratsamt so festgelegt worden, dass keine Geschäftsstraßen der Innenstadt tangiert waren. Dagegen hatten die Demonstranten noch Widerspruch eingelegt, aber das Verwaltungsgericht Karlsruhe bestätigte heute Morgen die Rechtmäßigkeit der Auflagen aus Heidelberg. Nachdem die Rechtsextremisten gegen 16.30 Uhr per Zug aus Hetzbach angereist waren, hielten sie auf dem Bahnhofsvorplatz eine Kundgebung ab. Eine unzulängliche Tontechnik sorgte dafür, dass die Parolen des hessischen NPD-Landesvorsitzenden Marcel Wöll schon rein akustisch kaum zu verstehen waren. Entlang des Demonstrationsweges blieb der Zug der Rechtsextremisten weitgehend unbeachtet. Viele Anwohner waren der Anregung gefolgt, die Fensterläden zu schließen. Andere empfingen die Demonstranten mit Transparenten, auf denen sie den jungen NPD-Anhängern in Geschichte ein "6" bescheinigten. Diese stiegen gegen 18.45 Uhr auf dem polizeilich abgeriegelten Bahnhof wieder in den Zug und fuhren dahin, woher sie gekommen waren. Bürgermeister Bernhard Martin hatte im breiten Konsens mit politischen und gesellschaftlichen Kräften der Stadt zu einer Gegenaktion aufgerufen, bei der man "der NPD den Rücken" kehrte und aus der Stadt zum Freibad marschierte, um dort bunt anstatt braun zu feiern (Bericht folgt). 22.07.06 © 2006 Eberbach-Channel |
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