Nachrichten
Home Infoladen Moskito Nachrichten Friedenspolitik Terminkalender Antifa Repression Berufsverbot Gipfelinfos Pressespiegel Diskussion

 

Demonstration gegen das baden-württembergische Versammlungsgesetz

Still und leise will die baden-württembergische Landesregierung ein neues Versammlungsgesetz verabschieden, das das Demonstrationrecht erheblich einschränk en würde. Es schafft bürokratische Hürden und beinhaltet unvorhersehbare nachteilige Folgen für jeden Veranstalter einer Demonstration. So soll

* Schon eine Ansammlung von mindestens zwei Personen soll zukünftig als Versammlung gelten. 

* auch Versammlungen in geschlossenen Räumen durch Auflagen eingeschränkt werden können. 

* die Leitung einer Versammlung oder Ordner abgelehnt werden können. 

* Ordner zukünftig von Behörden registriert werden. 

* Die Anzeigefrist für Versammlungen unter freiem Himmel auf 72 (statt 48) Stunden vor der ersten Einladung zur Versammlung verlänger werden. 

* eine Versammlung aus Rücksicht auf die „Rechte Dritter“, wie Gewerbetreibende werden können. 

* Bereits gleiche Mützen oder gleichfarbige Streikwesten von Gewerkschaften können als „militant“ und „einschüchternd“ gewertet und verboten werden.

Dagegen richtet sich eine

Demonstration am 6. Dezember in Stuttgart Auftakt 14 Uhr, Lautenschlägerstr. (gegenüber dem Hauptbhf.)

Aufruf und Informationen: http://www.versammlungsrecht2009.tk/

Aufruf als PDF: http://www.versammlungsrecht2009.de/pics/Aufruf.pdf

Aufruf zur Demonstration gegen das baden-württembergische Versammlungsgesetz am 6. 12. 2008

Ja zum Grundrecht auf Versammlungsfreiheit! Nein zur Verschärfung des Versammlungsgesetzes!

Die baden-württembergische Landesregierung will ein neues Versammlungsgesetz, das das Bürgerrecht auf Versammlungsfreiheit erheblich einschränkt. Es schafft bürokratische Hürden, sieht die Registrierung, Überwachung und Erfassung der TeilnehmerInnen vor und gibt Polizei und Behörden die Möglichkeit für willkürliche Erschwernisse, Eingriffe in die Versammlung und die Rechte der Versammelten.

Das Recht auf Versammlungen im Saal wird eingeschränkt: Obwohl das Grundgesetz nur für Versammlungen unter freiem Himmel gesetzliche Beschränkungen zulässt, sieht das neue Versammlungsgesetz nun auch für Versammlungen im Saal Einschränkungen vor: - Behörden können in das Selbstbestimmungsrecht von Organisationen eingreifen. Z.B. kann demokratisch gewählten Vorsitzenden die Leitung einer Versammlung untersagt werden. - Die Behörde kann die Benennung einer von ihr festgelegten Zahl von Ordnern (mit Wohnsitz und Geburtsdatum) verlangen und gleichzeitig Ordner als ungeeignet ablehnen und somit Versammlungen undurchführbar machen. - Der Versammlungsleiter macht sich strafbar, wenn er nicht rechtzeitig „Gewaltbereitschaft“ erkennt und die Versammlung beendet.

Die Demonstrationsfreiheit wird ausgehöhlt: Noch dramatischer sind die Einschränkungen für Demonstrationen und Kundgebungen im Freien: - Schon zwei Personen gelten künftig als Versammlung. Das kann z.B. bedeuten, dass bereits die Aufstellung von Streikposten bei einem Arbeitskampf als Demonstration angemeldet werden muss. - Die Anzeigefrist soll verlängert werden auf 72 (statt 48) Stunden vor der ersten Einladung zur Versammlung. - Bei der Entscheidung über Verbot und Auflagen könnten die „Rechte Dritter“ wie z.B Verkehrsteilnehmer und Gewerbetreibende eine Rolle spielen. - Versammlungsleiter und Ordner werden zum verlängerten Arm der Polizei gemacht, statt die Anliegen der Versammelten zu vertreten. Sie werden registriert und haftbar gemacht und können als „ungeeignet“ abgelehnt werden. - Bereits gleiche Mützen oder gleichfarbige Streikwesten von Gewerkschaften können als „militant“ und „einschüchternd“ gewertet und verboten werden. - Die Polizei darf fast ohne Einschränkungen in die Versammlung eingreifen und z.B. die Personalien der TeilnehmerInnen feststellen. - Versammlungen können nach Gutdünken der Polizei gefilmt und die Aufnahmen nahezu beliebig gespeichert werden. - Bereits bei der Anreise zu Versammlungen gilt ein Sonderrecht für polizeiliche Kontrollen und Schikanen.

Naziaufmärsche werden nicht verhindert. Das vorgebliche Ziel, besser gegen Naziaufmärsche vorgehen zu können, wird verfehlt. Bereits in der Vergangenheit wurden antifaschistische Aktivitäten häufig seitens der Behörden erschwert. Im neuen Gesetz werden nun verstärkt gerade diejenigen behindert, die sich in Versammlungen gegen Rechtsradikale wenden. Um rechtsradikale zu bekämpfen wären u.a. Verbote von Naziorganisationen angebracht, nicht aber Einschränkungen der Versammlungsfreiheit, die alle treffen.

Versammlungsfreiheit ist ein Grundrecht! Das Recht auf offene Diskussion und öffentliche Meinungsäußerung gehört zur Grundsubstanz der Demokratie. Die Baden-württembergische Landesregierung macht es mit ihrem Entwurf aber zum Sonderfall, der besonderer behördlicher und polizeilicher Beobachtung unterstellt ist. Versammlungen „enthalten ein Stück ursprünglich-ungebändigter unmittelbarer Demokratie, das geeignet ist, den politischen Betrieb vor Erstarrung in geschäftiger Routine zu bewahren“, sagt das Bundesverfassungsgericht.

Wir sagen: Dabei soll es bleiben. Deshalb rufen wir alle Menschen dazu auf, gegen die geplante Beschränkung der Versammlungsfreiheit zu demonstrieren. Unterzeichner siehe: http://www.versammlungsrecht2009.de/aufruf.html

Da die Mobilisierung und die ganze Kampagne Geld kostet sind wir darauf angewiesen, dass ihr euch an den Kosten beteiligt. Wenn ihr also den Aufruf unterstützen wollt, dann überweist bitte einen Beitrag zur finanziellen Unterstützung der Mobilisierung und der Demonstration am 06. Dezember 2008 (20.- Einzelpersonen, 30.- / 50.- / 100.- / bzw. oben offen für kleinere bis größere Organisationen). Sonderkonto Friedensnetz Paul Russmann Kontonummer: 6520706 BLZ: 60010070 (Postbank Stuttgart) Stichwort: Versammlungsgesetz od. VersGes oder VG


Inhalt: _______________

+++ NACHRICHTEN AUS DER BUKO UND DEN BUKO MITGLIEDSGRUPPEN +++ 1) brauche.BUKO.info. Die Spendenkampagne läuft 2) BUKO 32-Vorbereitungstreffen, 13.-14.12.08 in Lüneburg 3) IV. Finanzmarktkrisenworkshop von BUKO-Berlin, 30.11., Berlin 4) Buchvorstellung "Die Dritte Welt im 2. Weltkrieg", 3.12.08 in Berlin 5) Diskussion Islam-Bilder, 6.12., Berlin 6) call for papers: Migration in Lateinamerika und Südostasien 7) iz3w zum Thema Arbeit erschienen

+++ THEMENSCHWERPUNKT FINANZMARKT-/KAPITALISMUSKRISE +++ 8) Norden in Katerstimmung -- Süden abgekoppelt? Von Rainer Falk 9) Finanzkrise und Hungerkrise, Referat von Leo Mayer 10) Lesetipps zur Finanzkrise vom Unrastverlag 11) ak 533 mit Schwerpunkt zu Kapitalismus in der Krise erschienen 12) What's New, Economy? Beiträge zur Transformation der Weltwirtschaft 13) IL-Veranstaltungsreihe "Ich krieg die Krise", bis 18.12. 14) Antikapitalistischen Ratschlag, 25.01.09, Frankfurt/Main.

++ TERMINE +++ TERMINE +++ 15) Workshop: Politische Ökonomie der Stadt, 12.-13.12., Berlin 16) Aktionstag zum mg-Prozess, 13.12., bundesweit

+++ NEUERSCHEINUNGEN +++ 17) CONTRASTE-CD-Rom jetzt erhältlich 18) Der Homo oeconomicus und das Andere

+++ ZU GUTER LETZT +++ 19) Verfassungsschutzbeobachtung von BigBrotherAwards-Jury-Mitglied Rolf Gössner mit sofortiger Wirkung eingestellt! _______________

1) brauche.BUKO.info. Die Spendenkampagne läuft

"Es verschwindet zu viel", beklagt sich eine traurig gezeichnete Figur, die derzeit auf einigen Websites und in linken Zeitungen zu sehen ist. Neben Feuerzeug, und Socken könnte auch die BUKO-Geschäftsstelle ab 2009 vom allgemeinen Verschwinden betroffen sein. Damit es nicht so weit kommt, benötigen wir 30.000 Euro, um unsere Arbeit in gewohnter Form gewährleisten zu können. Ein Anfang ist bereits gemacht, so wurden die letzten Wochen bereits über 7.000 Euro gespendet. An dieser Stelle ein herzliches Danke-Schön an alle, die uns unterstützt haben. Nun fehlen "nur" noch 23.000 Euro für eine BUKO nach dem BUKO 32. Also, ran an die Überweisungsträger, spendet für die BUKO, jeder Beitrag, ob groß oder klein, hilft. Investiert in Internationalismus. Jetzt! Damit niemand traurig sein muss.

Alle Infos und ein Onlineformular finden sich auf www.brauche.buko.info

2) BUKO 32-Vorbereitungstreffen, 13.-14.12.08 in Lüneburg

Nach dem Castor ist vor dem BUKO: Am 13.-14. Dezember findet das nächste bundesweite Vorbereitungstreffen für den BUKO 32 in Lüneburg statt. Wir hoffen auf ähnlichen Bewegungszuwachs wie beim jüngie Schraube anziehen -- Arbeit macht das Leben schwer

Der Zwang zur lohnabhängigen Arbeit ist weltweit wieder größer geworden. Auf dem Vormarsch sind damit Rechtlosigkeit, schlechte Arbeitsbedingungen, Billiglöhne oder Diskriminierung, wenn auch je nach gesellschaftlichem Kontext in sehr unterschiedlichen Ausprägungen.

Im Zeitalter der Auflösung des "Normalarbeitsverhältnisses", Informalisierung, Individualisierung, Transnationalität, Arbeitsmigration und der immateriellen Arbeit ist Arbeit zwar anders organisiert als während des Fordismus, aber der Druck der Verwertungslogik nimmt zu. Leitfrage des Themenscherpunkts ist, wie sich die Ideologie der Arbeit und ihr Disziplinierungsregime in den heutigen Arbeitsbeziehungen widerspiegeln.

Weitere Informationen zum Heft unter: http://www.iz3w.org/iz3w/Ausgaben/309/309.html www.iz3w.org/iz3w/index.htm

8) Norden in Katerstimmung -- Süden abgekoppelt? Von Rainer Falk

Rainer Falk, Norden in Katerstimmung -- Süden abgekoppelt. Ein Jahr nach dem Ausbruch der globalen Finanzkrise in: Informationsbrief Weltwirtschaft & Entwicklung, Luxemburg, 10.8. 2008 (www.weltwirtschaft-und-entwicklung.org).

Auszug aus dem Text:

Während die jüngste Finanzkrise den Norden voll erwischt hat, die damit einher gehenden Verluste inzwischen auf rund 2 Billionen US-Dollar beziffert werden und praktisch alle G7-Ökonomien entweder in der Rezession oder auf dem Weg dahin sind, scheinen die Konsequenzen im Süden weniger schwer zu sein. Zwar prognostizieren Experten auch dort eine baldige Verlangsamung des Wachstums. Doch die Lage ist differenzierter. Das bezeugen Berichte aus vier südlichen Metropolen, die Rainer Falk zusammengestellt hat. (...)

In der Tat -- aus dem Blickwinkel der Finanzwelt könnte man sagen, dass die Kreditkrise die alte Ordnung zugunsten Asiens verändert hat. Die purzelnden Kurse an der Wall Street bedeuten, dass -- gemessen am Marktwert -- die beiden Top-Banken der Welt (und drei der sechs größten) jetzt chinesisch sind. (...) Weitere Infos unter: www.weltwirtschaft-und-entwicklung.org

9) Finanzkrise und Hungerkrise, Referat von Leo Mayer

Die Krise der Finanzmärkte hat die Hungerkrise von der Agenda der Regierungen und den Titelseiten der Zeitungen verdrängt. Dabei verschärft die Finanzkrise die Lage der Hungernden noch weiter. Denn die Preisexplosion bei Lebensmitteln und die damit verbundene Ernährungskrise hat direkt mit der Funktionsweise des kapitalistischen Weltmarktes zu tun.

Das Kurzreferat von Leo Mayer "Voller Tank statt voller Bauch -- Weder Fressen noch Moral" vom 23.10.08 findet sich unter:

www.isw-muenchen.de/download/hunger-lm-200810.pdf

10) Lesetipps zur Finanzkrise vom Unrastverlag

Der Unrastverlag gibt auf seiner Internetseite verschiedene Lesetipps für Artikel und Bücher zur Finanz- und Wirtschaftskrise. Unter anderem befindet sich dort ein aktueller Beitrag von Gerhard Hanloser, Autor des Buches "Krise und Antisemitismus. Eine Geschichte in drei Stationen von der Gründerzeit über die Weltwirtschaftskrise bis heute", dessen Buch nicht an Aktualität verloren hat.

Weitere Infos: www.unrast-verlag.de/unrast,3,0,471.html

11) ak 533 mit Schwerpunkt zu Kapitalismus in der Krise erschienen

Die Monatszeitung ak analyse und kritik widmet sich in ihrer aktuellen Ausgabe der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise, u.a. mit folgenden Artikeln:

- Wir zahlen -- nicht! Neuer afrikanischer Widerstand gegen das globale Finanzsystem von Patrick Bond, siehe: www.akweb.de/ak_s/ak533/34.htm

- Jazz-Effekt sorgt in Lateinamerika für Missklängel von Martin Ling

- Die Marx-Bubble. Vom Medienhype des Longsellers in Zeiten der Finanzkrise von Sabine Nuss, Anne Steckner, Ingo Stützle

- Kapital, Kredit, Krise. Zur Kritik der finanzdominierten Akkumulation und Regulation von Thomas Sablowski, siehe: www.akweb.de/ak_s/ak533/36.htm

- Wenn der Staat den Kapitalismus rettet von Mario Candeias

Infos und Bestellung unter: www.akweb.de

ak-Sonderseite zur Finanzmarktkrise: http://www.akweb.de/themen/daten_finanzmarkt.htm

12) What's New, Economy? Beiträge zur Transformation der Weltwirtschaft

Stefan Frank (Hrsg.) What's New, Economy? Beiträge zur Transformation der Weltwirtschaft 168 Seiten September-2007

Banken in Europa und den USA machen Milliardenverluste, deutsche Städte und Gemeinden haben mit riskanten Spekulationen viel Geld in den Sand gesetzt. Stefan Frank, der schon im Jahr 2002 den Immobiliencrash in den USA, die Bankenkrise, den Dollarfall und den Goldpreisboom prognostiziert hat, erklärt, wie schon in den neunziger Jahren die Bedingungen geschaffen wurden, die notwendig zur derzeitigen Krise geführt haben und warum es sich um mehr als bloß eine "Subprimekrise" oder Rezession handelt.

Weitere Themen des Buches: Billiglohnland Deutschland - Osteuropa, die deutsche Werkstatt - Wie lange reicht das Öl? - China: Boom oder Crash? - Entwicklungsländer auf dem Weltmarkt - Agflation: Das Ende billiger Lebensmittel - Lohnsklaverei - Gewerkschaften - Die globale Fabrik - Das Ende des Kapitalismus, wie einige ihn kannten....

Autoren: Wigand Cramer, Stefan Frank Thomas Fritz, Georg Fülberth, Felix Klopotek, Jörg Kronauer, Leo Mayer, Wolfgang Müller, Wolfgang Pomrehn und Conrad Schuhler.

Weitere Infos und Bestellung unter: http://www.konkret-verlage.de/kvv/kt.php?texte=44

13) IL-Veranstaltungsreihe "Ich krieg die Krise", bis 18.12.

Unter dem Titel "Ich krieg die Krise" startet die Interventionistische Linke eine Veranstaltungsreihe in zahlreichen Städten. Auf den Veranstaltungen geht es um die Krise des Kapitalismus, ihre Hintergründe, das staatliche Krisenmanagement und - natürlich - um die Chancen für linke Interventionen. Die Referenten und Anfangszeiten variieren, je nach Ort.

Donnerstag, den 27.11., Telgte, 19 Uhr, Bürgerhaus, mit Werner Rätz

Montag, 1.12., Frankenthal, 18.30 Uhr, IG-Metall-Haus, Pilgerstraße 1, mit Werner Rätz,

Dienstag, 2.12., Mainz, 20 Uhr Haus Mainusch (Uni-Campus), Staudingerweg 23, mit Werner Rätz ,

Dienstag, 2.12, Bremen, 19.30 Uhr, Konsul-Hackfeld-Haus, Birkenstraße 34, Clubraum, mit Mario Candeias (RLS),

Mittwoch, 3.12., Düsseldorf, 19:30 Uhr, Linkes Zentrum Hinterhof, Corneliusstr. 108, mit Thomas Sablowski,

Mittwoch, 3.12., Berlin, 19:30 Uhr, Festsaal-Kreuzberg, Skalitzer Str. 130, u.a. mit Alexis Passadakis (attac) und Gewerkschaftslinken

Donnerstag, 11.12., Hannover, 19 Uhr Kulturzentrum Pavillon, Lister Meile 4, Kleiner Saal, mit Werner Rätz

Alle Infos zur Veranstaltungsreihe unter: http://www.dazwischengehen.org/de/story/2008/11/veranstaltungsserie-ich-krieg-die-krise

Ausserdem hat die IL die Initiative "Schulde? Zahlt der Staat!" gestartet: Haben Sie momentan finanzielle Schwierigkeiten? Sehen Sie sich konfrontiert mit mangelndem Vertrauen in Ihre Zahlungsfähigkeit? Oder herrschen des öfteren kurzfristige Liquiditätsengpässe in Ihrem Geldbeutel? Das alles ist von nun an kein Problem mehr: Jetzt können auch Sie als Arbeitskraftbesitzer/in mit unserer Briefvorlage das Ihnen zustehende Geld beim Finanzminister einfordern. Einfach ausdrucken, ausfüllen und an den Herrn Finanzminister Steinbrück senden!

Alle Infos unter: http://milliardenhilfe.de/

14) Antikapitalistischen Ratschlag, 25.01.09, Frankfurt/Main

Die K-Frage stellen! Die Interventionistische Linke lädt zum Antikapitalistischen Ratschlag am Sonntag, 25. Januar 2009 in Frankfurt/Main.

Die Einladung an die "Linke von Heiligendamm": Eröffnen wir gemeinsam eine Debatte um die "K-Frage": eine Debatte über Krise, Krieg, Klimawandel, Kapitalismus -- und über ein kommunistisches Danach. Programm und weitere Infos: http://www.dazwischengehen.org/de/story/2008/11/die-k-frage-stellen

15) Workshop: Politische Ökonomie der Stadt, 12.-13.12., Berlin

Workshop: Politische Ökonomie der Stadt Die Internationalisierung des Wohnungsmarktes, Immobilienfonds und die Privatisierung gesellschaftlichen Eigentums

12. -- 13. Dezember 2008 Center for Metropolitan Studies Ernst-Reuter-Platz 7, ehem. Telefunkenhaus, 3. OG, 10587 Berlin

Für die Herausbildung baulicher und sozialer Strukturen urbaner Agglomerationen, aber auch für konkrete urbane Regime sind Prozesse der Verwertung städtischen Bodens von entscheidender Bedeutung. Die Veränderungen städtischer Landschaften in den letzten Jahrzehnten lassen sich zu einem nicht unerheblichen Teil auf einen Bedeutungsgewinn eines stärker globalisierten Finanz- und Immobilienmarkts zurückführen.

Im Workshop soll diese Internationalisierung des Wohnungsmarktes und die damit einhergehenden Veränderungen städtischer Eigentumsstrukturen und Regulationsmöglichkeiten anhand verschiedener nationaler und internationaler Beispiele städtischer Wohnungs- und Bodenmärkte untersucht werden. [...] Ganzer Aufruf und weitere Infos unter: www.metropolitanstudies.de oder http://www.buko.info/index.php?id=26&tx_ttnews[tt_news]=15&tx_ttnews[backPid]=11&cHash=135db3b52e

16) Aktionstag zum mg-Prozess, 13.12., bundesweit

Am 25. September 2008 begann vor dem Berliner Kammergericht (OLG) ein Staatsschutzprozess gegen die Genossen Axel, Florian und Oliver. Der Vorwurf lautet: Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, konkret geht es um die militante gruppe (mg) und versuchte Brandstiftung. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, sie hätten Bundeswehrfahrzeuge auf dem Gelände der MAN AG in Brandenburg/Havel angezündet. Aus Solidarität mit den drei Aktivisten aus Berlin und aufgrund der allgemein zunehmenden staatlichen Repression gegenüber der radikalen Linken rufen wir zu einem bundesweiten dezentralen Aktionstag am 13. Dezember 2008 auf. Beteiligt Euch in Euren Städten am Aktionstag im Rahmen Eurer Möglichkeiten. Organisiert Demonstrationen, Kundgebungen, Veranstaltungen, Straßentheater, Wandbilder und vieles mehr.

Kontakt: solidaritaet_aufbauen(at)web.de auf.

Infos zum Aktionstag unter: www.einstellung.so36.net

17) CONTRASTE-CD-Rom jetzt erhältlich

CONTRASTE ist eine überregionale Monatszeitung für Selbstorganisation und dient den Bewegungen als monatliches Sprachrohr und Diskussionsforum. Ein neues Projekt ist entstanden -- eine Archiv-CD, auf der zunächst die Jahrgänge 2005 bis 2007 archiviert sind. Auch der Jahrgang 1984 mit den historischen drei ersten "Wandelsblatt"-Ausgaben ist archiviert. Zusätzlich befindet sich der "Reader der Alternativ-Medien ebenfalls auf der CD-ROM.

Die CD-Rom kostet für AbonnentInnen 25 EUR, zzgl. 3 EUR Porto oder ist kostenlos als Aboprämie zu erhalten.

Bestellungen unter: Zeitsprung Verlag, Postfach 10 45 20, 69035 Heidelberg, zeitsprung-verlag(at)online.de

Weitere Infos zur CD-Rom unter: http://www.contraste.org/archiv-cd.htm

18) Der Homo oeconomicus und das Andere 

Sexismus, Rassismus und Kapitalismus als über Identitäten verwoben zu verstehen -- das ist der Ansatz des Buches "Der homo oeconomicus und das Andere": Das Subjekt der Wirtschaftstheorie wird als Ausdruck einer Gouvernementalität begriffen, welche sich zwischen verschiedenen Herrschaftsverhältnissen herausgebildet hat, und welche Verhaltensmuster vorschreibt, die einige Identitäten begünstigt, letztlich jedoch alle Subjekte "unterwirft".

Friederike Habermann untersucht, wie der homo oeconomicus als Fundament der heutigen Wirtschaftstheorie nicht nur das Stereotyp des weißen, männlichen Bürgers abbildet, sondern wie dieser und alle anderen sich in der Moderne herausbildenden Identitäten in Relation zu ihm -- und damit zueinander -- entstanden.

Es geht der Autorin darum, die bestehende Trennung zwischen historisch-materialistischen als auch postkolonialen und feministischen Ansätzen zu überwinden. Das Buch schließt mit Überlegungen für emanzipatorische Politik.

Friederike Habermann: Der homo oeconomicus und das Andere Hegemonie, Identität und Emanzipation, Nomos-Verlag 2008, 44 Euro

19) Verfassungsschutzbeobachtung von BigBrotherAwards-Jury-Mitglied Rolf Gössner mit sofortiger Wirkung eingestellt! 

BigBrotherAwards-Jury-Mitglied Dr. Rolf Gössner wurde 38 Jahre lang vom Verfassungsschutz überwacht. Seine Klage und Proteste zeigen jedoch Wirkung: Das Bundesinnenministerium und das Bundesamt für Verfassungsschutz geben endlich auf.

Die Pressemitteilung der Internationalen Liga für Menschenrechte und weitere Informationen unter: http://www.foebud.org/datenschutz-buergerrechte/ueberwachung-von-goessner-eingestellt


Göttingen, 24.11.2008

Presseerklärung zur bevorstehenden Haftentlassung Christian Klars

Das Oberlandesgericht Stuttgart hat heute entschieden, dass Christian Klar nach 26 Jahren Knast Anfang Januar aus der Haft entlassen wird.

Auch wenn die Rote Hilfe diese Entscheidung natürlich erfreut zur Kenntnis nimmt, ist sie für uns dennoch kein Grund zum Jubeln. Christian Klar hat 26 Jahre in bundesdeutschen Knästen verbracht, davon viele unter den verschärften Bedingungen der Isolationshaft.

Die Rote Hilfe hat seit vielen Jahren die längst überfällige Freilassung der verbliebenen Gefangenen aus der „Rote Armee Fraktion“ gefordert. Dass diese Forderung nicht durchsetzbar war, zeigt nicht nur eine Niederlage der Solidaritätsbewegung. Es offenbart auch die Tatsache, dass der Umgang mit den Gefangenen aus der RAF bis zum heutigen Tag, mehr als zehn Jahre nach der Selbstauflösung der RAF, von einem staatlichen Rachebedürfnis geprägt ist. Insbesondere Christian Klar ist als Symbolfigur für den Aufbruch der Stadtguerillagruppen in den 1970er Jahren abgestraft worden, er ist länger inhaftiert als irgendein anderer Gefangener aus der RAF.

Die bevorstehende Haftentlassung Christian Klars ist für uns Anlass, noch einmal an die Bedingungen der Verfolgung, Verurteilung und Inhaftierung der ehemaligen RAF-Mitglieder zu erinnern. Die Verfahren gegen mutmaßliche oder tatsächliche Mitglieder der RAF setzten grundlegende rechtsstaatliche Prinzipien außer Kraft. Gekaufte Kronzeugen, verschwundene, unter Verschluss gehaltene oder vernichtete Beweise und Dokumente, ausgehebelte Verteidigerrechte und Sondergesetze machten und machen diese Verfahren zur offensichtlichen Farce.

Der Terrorparagraph 129a erübrigte in den meisten Fällen jeden individuellen Tatnachweis. Allen Mitgliedern der RAF wurden regelmäßig sämtliche während ihrer Mitgliedschaft stattgefundenen Taten zur Last gelegt. Den besonderen Zorn der Verfolgungsbehörden zogen sich die Angeklagten insbesondere zu, wenn sie nicht bereit waren, sich selbst und andere zu belasten oder sich von ihrer eigenen Geschichte und ihren linken Zielen zu distanzieren. Mehr als deutlich wurde dies im vergangenen Jahr, als eine antikapitalistische Äußerung Christian Klars zum Anlass genommen wurde, ihm bereits in Aussicht gestellte Hafterleichterungen zu verwehren.

Der Kampf gegen die politische Justiz und für die Freiheit der politischen Gefangenen ist mit der aktuellen Entscheidung des Oberlandesgerichts keineswegs überflüssig geworden. So sitzt mit Birgit Hogefeld ein weiteres Mitglied der RAF im Gefängnis, in Stammheim findet zur Zeit ein absurdes 129b-Verfahren gegen türkische Exil-Linke statt.

Die Rote Hilfe e.V. fordert auch weiterhin: Weg mit dem Gesinnungsparagraphen 129a und 129b! Freiheit für alle politischen Gefangenen!

Mathias Krause für den Bundesvorstand der Roten Hilfe e.V.


PRESSEMITTEILUNG DER FAU BERLIN 24.11.2008

ZIM gGmbH entlässt Mitarbeiter wegen kritischer Äußerungen.

Am 08.11.2008 wurde dem Mitglied der Freien ArbeiterInnen Union Berlin (FAU) Oliver W. durch die ZIM - Gemeinnützige Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft mbh mitgeteilt, dass innerhalb einer Frist von zwei Wochen das Arbeitsverhältnis beendet wird. Als Vorwand für die Kündigung diente der Vorwurf, Oliver W. habe "jähzornige" Verhaltensweisen an den Tag gelegt. W. hatte sich im Vorfeld gegen rassistische Äußerungen eines Kollegen positioniert und das mangelhafte Werkzeug und Arbeitsmaterial, welches in der Firma genutzt wird, bemängelt. In der Folge wurde er von sehr genau beobachtet und auch wegen geringster Versäumnisse - wie wenige Minuten verspätetes Erscheinen am Arbeitsplatz - durch seine Vorgesetzten angegangen. Auffälig dabei ist, dass diese geringen Versäumnisse nur bei Oliver W., nicht aber bei anderen Arbeitern in dieser Form beanstandet wurden. W. war im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM) in der Firma angestellt und bis zu der Kündigung mit der Herstellung von Nisthilfen (sog. Insektenhotels) beschäftigt. Als Konsequenz aus der Kündigung drohen ihm nun Sanktionen durch das Jobcenter.

Lars Röhm, Verantwortlicher der FAU Berlin, erklärt dazu: "Das Verhalten der ZIM gGmbh ist ohne Frage skandalös. Hier soll offensichtlich ein couragierter Mitarbeiter mundtot gemacht werden, um Missstände zu verdecken. Besonders bemerkenswert bei diesem Fall ist, dass es sich hier um ein Arbeitsverhältniss im Rahmen einer ABM handelt, weshalb der Kollege sowieso schon weitesgehend rechtlos und damit erpressbarer ist. Dass sich Oliver W. trotzdem nicht den Mund verbieten ließ und Missstände im Betrieb offen ansprach, verdient Respekt und keine Kündigung." Nachdem die Geschäftsführerin der ZIM gGmbH, Karin Stöckner, bisher nicht auf die Anschreiben der FAU Berlin reagierte, wird am Dienstag, den 25.11.2008, um 9.00 Uhr eine Kundgebung der FAU Berlin vor dem Arbeitslosencafe der ZIM gGmbH in Reinickendorf (Antonienstraße 68) stattfinden. Die FAU Berlin fordert die sofortige Rücknahme der Kündigung und eine umgehende Beseitigung der Missstände im Betrieb durch die ZIM gGmbH.


Junge Welt vom 17.11.2008 / Feuilleton / Seite 12

Rote Karte für »Ça ira«

Mit dem Ausschluß eines antideutschen Verlags endete in Nürnberg die 13. Linke Literaturmesse Peter Wolter Mit einem klaren Beschluß der Mehrheit aller Aussteller endete am Sonntag die 13. Linke Literaturmesse in Nürnberg: Der Verlag »Ça ira« wird künftig ausgeschlossen. Die anderen Verlage wollen es sich und ihrem Publikum nicht länger zumuten, daß auf dem Messestand von »Ça ira« die »antideutsche« Zeitschrift Bahamas ausliegt. Sie empfinden es auch als unverfroren, wie leichtfertig anderen Linken in Veranstaltungen und Publikationen dieses Verlages Antisemitismus vorgeworfen wird. Die Aussage, die RAF sei »der verlängerte Arm der SS« gewesen, sei nach einhelliger Meinung der Höhepunkt der Geschichtsklitterung gewesen. Im Vorfeld der Messe war »Ça ira« darüber hinaus unverhohlene Sympathie für einen Krieg gegen den Iran vorgeworfen worden.

Eröffnet wurde die Messe am Freitag abend mit einer Veranstaltung der jungen Welt und des Rotbuch-Verlages: Der Botschafter der sozialistischen Republik Kuba, Gerardo Peñalver Portal, stellte das kürzlich erschienenene Buch »Fidel Castro – Mein Leben« vor. Daß der Andrang so groß war und der Saal fast aus den Nähten platzte, war auch einer Lokalzeitung zu verdanken, die die Buchvorstellung wohlwollend angekündigt hatte. Ebenso viel Andrang fand ein von der jW moderierter Vortrag des Psychologen Colin Goldner, der die neueste Auflage seines Buches »Dalai Lama – Der Fall eines Gottkönigs« vorstellte.

Auf der ersten Messe vor zwölf Jahren gab es 15 Veranstaltungen – inzwischen hat sich die Zahl auf 35 erhöht. Wie in den Vorjahren wurden wieder rund 1500 Besucher gezählt. Etwa 50 Verlage nehmen regelmäßig teil. Das Spektrum soll künftig vor allem durch linke Zeitschriften erweitert werden. Als Termin für die nächste Messe wurde der 27.–29. November 2009 festgelegt.

Die Messe finanziert sich durch die Standgebühren der Aussteller und Spenden: Vor jedem Vortrag geht eine Sammelbüchse durch die Stuhlreihen. Initiatoren der Messe sind der linke Literaturladen Libresso sowie das »Metroproletan Archiv und Bibliothek«. Den Rechten ist die Messe ein Dorn im Auge: In der Nacht vor Beginn der Messe zerdepperten Neonazis die Scheiben von Libresso.

Veranstaltungsort der Messe war das »K 4« – ein städtisches Gebäude in Bahnhofs- und Innenstadtnähe. Vor dem Zweiten Weltkrieg ein Künstlerhaus, wurde es dann von den Faschisten genutzt und nach deren Niederlage von der US-Armee übernommen. Heute ist das »K 4« ein kommunales Kulturhaus, das für linke Veranstaltungen offen ist. Zeitweise war das »K 4« auch ein selbstverwaltetes Kommunikationszentrum, das mit dazu beigetragen hat, daß sich in Nürnberg eine breite und solidarische Linke entwickelte. Die versteht sich zwar mehrheitlich als undogmatisch, arbeitet jedoch durchaus mit der Linkspartei, der DKP, ATTAC, dem Sozialform und anderen Organisationen zusammen. »Antideutsche« spielen in Nürnberg so gut wie keine Rolle.

Zur linken Infrastruktur gehört auch der von einem Verein betriebene private Rundfunksender »Radio Z«. Er sendet mehrere Stunden Programm am Tage; politisches Kernstück des Angebots ist die Sendung »Stoffwechsel«. Auch über die Literaturmesse wurde ausgiebig berichtet. Wichtig für die Nürnberger Linke sind außerdem der Stadtteilladen »Schwarze Katze«, der jeden Montag eine Volksküche anbietet, sowie die seit 15 Jahren herausgegebene Zeitschrift Barricada.


11.11.2008

" Ran an die Atomanlagen - Gorleben vermASSELn!"

BI Umweltschutz bilanziert die bewegten Tage des Castorprotestes

Einen Tag später als von der Polizei veranschlagt erreichte der 11. Castortransport nach Gorleben das Zwischenlager. Tausende Atomkraftgegnerinnen und - gegner blockierten auf der Schiene und der Straße den Konvoi: In der Schlussphase verstellten Bauern in Quickborn mit 42 Schleppern die sogenannte Nordstrecke, weit über 1000 Menschen beteiligten sich an der gewaltfreien Sitzblockade vor dem atomaren Zwischenlager, 8 Personnen ketteten sich in Grippel an 2 Betonpyramiden. Es gab Aktionnen von Greenpeace und Robin-Wood vor dem Verladekran und am atomaren Zwischenlager. 16.000 Menschen demonstrierten am Wochenende gegen den durchsichtigen Plan der Energiekonzerne, Atomkraftwerke dauerzureparieren, um ihre vereinbarte Stillegung über die Legislaturperiode hinweg zu retten. " Atomwirtschaft und die CDU/CSU wollen Gorleben fertig machen, Allen Warnungen von Geologen zum Trotz. Doch wir sind zurück: Wir fordern den Atomausstieg. Das Moratotium in Gorleben darf nicht aufgehoben werden, der Standort ist politisch und geologisch verbrannt und wir lassen uns nicht fertig machen. Die 30 Milliarden Euro Rückstellung, die die Konzerne für die Nukleare Entsorgung steuerfrei zurückgelegt haben, müssen in einen öffentlich rechtlichen Fonds fließen. "Lediglich 1,51 Milliarden Euro mussten die Konzerne bisher für den Schwarzbau in Gorleben blechen - dort wurde nicht nach Atom-, sondern nach Bergrecht unter Ausschluss der Öffentlichkeit gebaut. Dabei refinanziert sich die Atomwirtschaft selbst, denn die Deutsche Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern (DBE), die das Bergwerk betreibt,gehört zu 100 Prozent der Atomwirtschaft, das ist ein bisher unbeachteter Skandal." Im Wahljahr, so kündigten die Atomkraftgegner an, werde an den Standorten von Kraftwerken, die auf der Stilllegungsliste stehen - Neckarwestheim, Biblis, Brunsbüttel - protestiert und im Jahr 2010 beim nächsten Castortransport in Gorleben erneut demonstrativ Bilanz gezogen. "Wir geben der Politik eine Chance, sich zu bewegen. Jede Generation hat das Recht, einen Platz zu besetzen".


Das besetzte Haus in Erfurt soll geräumt werden!

Dazu gibt es eine Demo am 22.11.2008 in Erfurt!! Die Leute vom besetzten Haus brauchen dringend noch UnterstützerInnen, entweder praktisch zur Demofüllung oder/und schriftlich für die Öffentlichkeit.(siehe Brief unten)

Erfurt braucht offene Räume!

Wir -- BildnerInnen, Kulturschaffende und gesellschaftspolitisch engagierte Menschen -- haben uns schon im April 2008 an die Stadt und die interessierte Öffentlichkeit gewandt und um Unterstützung für das Besetzte Haus auf dem ehemaligen Topf&Söhne-Gelände in Erfurt geworben.

Die Unterstützung der Stadt Erfurt sieht bisher so aus, daß für den Fall einer Räumung zwar ein Objekt zur Verfügung gestellt werden soll, dieses aber weder von der Größe noch von der Lage her dazu geeignet ist, dem vielfältigen soziokulturellen Engagement der BesetzerInnen hinreichend Raum zu geben.

Das Besetzte Haus hat sich durch zahlreiche Projekte und Veranstaltungen zu einer anerkannten Institution im kulturellen Leben der Stadt entwickelt, die jetzt akut in Gefahr ist. Das Besetzte Haus bietet Raum für selbstorganisierte Bildung, Geschichtspolitik, gesellschaftspolitische Intervention, unkommerzielle Soziokultur und Kommunikation über die Grenzen sozialer Milieus hinaus. Gerade die Verbindung verschiedener Projekte schafft Möglichkeiten, die in einem beengten Rahmen nicht zu realisieren sind.

Nach sind wir der Überzeugung, daß dieses Projekt als Verstärker für eine alternative und lebendige Soziokultur wirkt, die gerade in Zeiten des erstarkenden Rechtsextremismus ein wichtiger Kristallisationspunkt für eine tolerante und offene Gesellschaft ist.

Deswegen appellieren wir noch einmal mit Nachdruck an die politisch Verantwortlichen in Erfurt, sich für den Erhalt dieses in Erfurt einmaligen Projektes in seiner jetzigen Form einzusetzen.

"In seiner jetzigen Form" bedeutet, daß ein Ersatzobjekt von seiner Beschaffenheit dazu geeignet sein muss, dem vielfältigen Engagement und dem Wohnprojekt der BesetzerInnen ein Dach über dem Kopf zu bieten.

Wir wünschen uns eine friedliche Lösung dieses Konflikts und rufen alle Menschen dazu auf, ihre Unterstützung des Besetzten Hauses öffentlich zu zeigen und an der Demonstration "Hände weg vom besetzten Haus" am 22.11.2008 teilzunehmen.

Eckart Schörle Bildungskollektiv Biko Alexandra Vogel, Mitglied der Delegiertenversammlung der IGM Erfurt Landessprecherinnenrat der Linksjugend ['solid] Thüringen Speaknetzwerk Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen


Berlin, 5. November 2008

Geheimdienst steuert mg-Verfahren

In dem Verfahren gegen die drei Berliner Antimiltaristen, denen ein versuchter Brandanschlag und die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung (miltante gruppe) vorgeworfen wird, wird die Mitwirkung des Verfassungsschutzes (VS) immer deutlicher. „Der Geheimdienst hat dieses Verfahren initiiert und steuert es bis heute. Die Entscheidung, welche Akten der Bundesanwaltschaft vorgelegt werden, allein beim VS liegt“, sagt Arthur Schüler vom Einstellungsbündnis. Durch ZeugInnenvernehmungen ist deutlich geworden, dass der Verfassungsschutz nicht nur initiativ am Anfang der Ermittlungen stand, sondern sondern die Ermittler des BKA immer wieder auf Akten des VS zurückgreifen. "Die Akten gingen munter zwischen den Behörden hin und her", so Schüler. Der Verfassungsgrundsatz der Trennung von Geheimdiensten und Polizei wird in diesem Verfahren nicht beachtet. So bestätigte die leitende Ermittlerin vor Gericht, dass Akten des Verfassungsschutzes zwischen ihrer Behörde, der Bundesanwaltschaft und dem VS hin und her gereicht wurden. Zudem habe es mehrere Treffen zwischen den Behörden gegeben. Welche Akten allerdings gerichtsverwertbar sind, entscheidet allein der VS. Für die Verteidigung ist es nicht nicht einsehbar, welche - möglicherweise auch entlastenden – Inhalte noch beim Verfassungsschutz oder dem BKA lagern. Damit ist ein faires Verfahren in keiner Weise möglich.


hallo

sebastian haunss hat sein buch zur geschichte der autonomen jetzt auch als pdf im internet: http://www.uni-konstanz.de/FuF/Verwiss/holzinger/shaunss/texte/Diss/haunssdisscontents.html


*** BUKO News vom 21.10.08 ***

Inhalt: _______________

+++ Nachrichten aus der BUKO +++ 1) Vorbereitung für BUKO32 startet, 1.-2.11.08, Lüneburg 2) Neues BUKO-Mitglied: I.P.O.N. 3) Reflect!/BUKO-Seminar zu Prekarisierung, 7.-9.11.08, Bremen 4) Reflect!/BUKO-Seminar: Arbeitsmigration global, 22.11.08, Berlin

+++ NACHRICHTEN AUS DER BUKO UND DEN BUKO MITGLIEDSGRUPPEN +++ 5) "Streit um Saatgut" Flugschrift der Aktion 3. Welt Saar erschienen 6) Vorbereitung für Friedensarbeit in Philippinen, 31.10-2.11., Berlin 7) Koordinationstreffen der El Salvador-Solidarität, 21.-23.11. Ffm

++ TERMINE +++ TERMINE +++ 8) Praktiken der Migration in der Diskussion, 21.10., Berlin 9) Gipfeltreffen zur "Kontrolle der Migration" verhindern, 3.-4.11., Vichy/Fr 10) Reihe: Süd(ost)asien in Bewegung, 5.-20.11., Hamburg 11) Buchvorstellung: Vergessene Proteste, 18.11.08, Bochum 12) Seminarreihe "Gerechte Bildung&Teilhabe in der Migrationsgesellschaft"

+++ MELDUNGEN +++ MELDUNGEN +++ 13) Presseerklärung zur Einstellung des 129a/129-Verfahrens 14) Finanzkrise als Nährboden für Antisemitismus 15) Internationale Enzyklopädie zu Revolution und Protest

+++ NEUERSCHEINUNGEN +++ 16) PERIPHERIE 111 "Machtverschiebungen in der Weltwirtschaft" 17) Buch: Die Türkei, die Juden und der Holocaust

+++ DAS ALLERLETZTE +++ 18) Bundesregierung legalisiert "Einsatz militärischer Mittel" im Inland _______________

1) Vorbereitung für BUKO32 startet, 1.-2.11.08, Lüneburg

Nun ist klar: der BUKO Kongress 32 wird vom 21.-24. Mai 2009 in Lüneburg stattfinden. Beim ersten bundesweiten Treffen, zu dem wir ganz herzlich einladen wollen, geht es darum, sich als Vorbereitungsgruppe zu formieren und eine mögliche inhaltliche Ausrichtung und Ausgestaltung des BUKO32 zu diskutieren. Eine inhaltliche Schwerpunktsetzung ist bisher noch unklar. Als mögliche Themen wurden bisher drei Themenkomplexe andiskutiert:

1.) Klima/Energie/gesellschaftliche Naturverhältnisse, 2.) Bildung aus internationalistischer Perspektive, 3.) Kultur und Linke

Festzuhalten bleibt: Der Vorbereitungsprozess ist ein offener. Alles ist bisher nur angedacht und wird nun gemeinsam verworfen oder konkretisiert. Wenn ihr im November nicht könnt, aber trotzdem etwas beitragen wollt, könnt ihr das auch gerne schriftlich machen. Als nächstes bundesweites Treffen ist der 13./14. Dezember anvisiert.

1.- 2.11., Lüneburg/ Genauer Ort und die Zeit werden noch bekannt gegeben

Wer Interesse an der Vorbereitung hat, soll sich bitte in der BUKO Geschäftsstelle melden!

2) Neues BUKO-Mitglied: I.P.O.N

Erneut hat die BUKO in den letzten Wochen neue Mitglieder hinzugewonnen. Das freut uns natürlich sehr, denn eine Mitgliedschaft stärkt der BUKO finanzielle und politisch den Rücken!

Folgende Gruppe ist der BUKO beigetreten: International Peace Observers Network - I.P.O.N. Alle Infos über I.P.O.N. findet ihr unter: www.ipon-philippines.org

3) Reflect!/BUKO-Seminar zu Prekarisierung, 7.-9.11.08, Bremen

+++ Es gibt noch freie Plätze +++

Mit dem Wandel der Arbeitsgesellschaft vom Fordismus zum Postfordismus geht eine tief greifende Veränderung der Ware Arbeitskraft einher. Der allzeit flexible Mensch muss sich stetig neu entwerfen, um nicht überflüssig zu werden. Als Arbeitskraftunternehmer muss der Mensch sein ganzes Dasein daraufhin überprüfen, ob er für ein Unternehmen gewinnbringend einsetzbar ist. Der "Marketing-Charakter" stellt sich die Illusion der Selbstverwirklichung durch Lohnarbeit vor. In diesem Seminar wollen wir uns mit einigen Aspekten dieses neuen "Lifestyles" auseinandersetzen, mit der Absicht die Widersprüchlichkeiten herauszuarbeiten.

Reflect!-Seminar in Kooperation mit der BUKO, 7.-9.11.08, Paradox, Bernhardstr.12, 28203 Bremen, Teamer: Marcus Grätsch, Beitrag: 10 Euro ohne Unterkunft (25 mit Uk), wobei die Teilnahme am Geld nicht scheitern soll.

Infos unter: www.reflect-online.org/index.php?id=440#1287

4) Reflect!/BUKO-Seminar: Arbeitsmigration global, 22.11.08, Berlin

Arbeitsmigration ist ein globales und lokales Phänomen zugleich. In diesem Überblicksseminar fragen wir nach den globalen Zusammenhängen sowie lokalen Arbeits- und Lebensbedingungen von ArbeitsmigrantInnen in Süd und Nord. Wir wollen soziale und politische Handlungsspielräume zur Bekämpfung der Ausbeutung von ArbeitsmigrantInnen ausloten. Dazu arbeiten wir konkret an Länderbeispielen der Arbeitsmigration (Osteuropa-Deutschland, Lateinamerika-USA, Westafrika).

Reflect!-Seminar in Kooperation mit der BUKO 22.11.08, 10-19 Uhr, K9 (Kinzigstr. 9, 10247 Berlin) TeamerInnen: Christian Schröder, Bettina Engels, Teilnahmebeitrag: 5,- Euro (für Reader & Verpflegung), wobei die Teilnahme am Geld nicht scheitern soll

Mehr Infos und anmelden unter: http://www.reflect-online.org/index.php?id=512

5) "Streit um Saatgut" Flugschrift der Aktion 3. Welt Saar erschienen

Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (ABL) und Aktion 3.Welt Saar publizieren Flugschrift zum Streit um die Kartoffel LINDA - Jetzt bestellen

Ist Saatgut Privat- oder Gemeineigentum? Die "Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL)" und die "Aktion 3.Welt Saar" haben eine vierseitige Flugschrift publiziert zum Thema "Streit um Saatgut. Privat- oder Gemeineigentum? Warum gibt es Streit um die Kartoffel LINDA und die so genannten Nachbaugebühren?" Die Flugschrift ist in einer Auflage von 90.000 Ex. erschienen und eignet sich zur Auslage bei Veranstaltungen und zum Einsatz im Schulunterricht.

Die Flugschrift gibt es als pdf online unter: www.a3wsaar.de/fileadmin/A3WSaar/flugschrift/a3w_Saatgut_09.2008.pdf sie kann aber auch (kostenlos) bei der A3WS bestellt werden Aktion 3.Welt Saar, Weiskirchener Str. 24, 66679 Losheim am See, Telefon 06872 / 9930-56, E-Mail: mail@a3wsaar.de, www.a3wsaar.de

6) Vorbereitung für Friedensarbeit in den Philippinen, 31.10-2.11., Berlin

Friedensarbeit in den Philippinen / Menschenrechts -BeobachterInnen in Landkonflikt gesucht

Nächste Seminare für interessierte Freiwillige: 31.10.2008 bis 02.11.2008 in Berlin (Werftpfuhl) und vom 23. bis 25. Januar voraussichtlich auch in Berlin

Obwohl die Philippinen zu den Unterzeichnern der UN-Menschenrechtscharta gehören, gibt es in dem südostasiatischen Staat noch immer viele Menschenrechtsverletzungen. Seit November 2006 sind MenschenrechtsbeobachterInnen der gemeinnützigen Organisation IPON (International Peace Observers Network) aus Hamburg in einem Pilotprojekt auf den Philippinen aktiv, um durch Präsenz, Begleitung und Beobachtung die Verletzung der Menschenrechte zu unterbinden. Dabei ist IPON gewaltfrei und mischt sich nicht in den Konflikt ein, betreibt aber aktive Öffentlichkeits- und Pressearbeit für die Menschenrechte. Die Beobachterteams gewähren den betroffenen Menschenrechtsverteidigern (Mitglieder von Bauernorganisationen) eine gefühlte und reale Sicherheit, so wird ihnen Raum gegeben ihre Rechte auch künftig einzufordern. Nach der Pilotphase, die sich nur auf die Halbinsel Bondoc im Süden der Insel Luzon konzentriert hat, geht das Netzwerk nun auch Anfragen aus den Regionen Negros und Mindanao nach. Auf Negros werden ab Sommer 2008 Vorstudien durchgeführt.

Wie kannst Du teilnehmen? Interessierte können sich nun für einen siebenmonatigen Einsatz (in Ausnahmefällen auch kürzer) als IPON Observer auf den Philippinen für das Jahr 2009 oder später bewerben. Freiwillige sollten mindestens 21 Jahre alt sein und sich durch gesellschaftspolitisches Engagement auszeichnen. In zwei Seminaren und einem Teammeeting im kleinen Kreis wird auf den Einsatz vorbereitet. Das Projekt ist zu großen Teilen ehrenamtlich organisiert und lebt daher von der aktiven Mitarbeit ehemaliger BeobachterInnen in Deutschland und engagierter, selbstständiger MenschenrechtsbeobachterInnen vor Ort. Ein Teil der Kosten des Einsatzes wird von IPON getragen.

Kontakt: www.ipon-philippines.org

Bei Interesse bitte eine Anfrage möglichst mit kurzem Anschreiben (kurzer Lebenslauf, o.ä.) senden an Info.ipon(at)gmail.com Weitere Nachfragen unter: Tel.: 05545999986 (privat); Mobil: 017623391294 (privat) die Ansprechperson ist Olivier Hoffmann oder unter der Büronummer in Hamburg Tel.: 040 25491947

7) Koordinationstreffen der El Salvador-Solidarität, 21.-23.11. Frankfurt/Main

Der US-Hinterhof El Salvador könnte sich Anfang 2009 nach langen Jahren verheerender rechter Politik in die Reihe der linksregierten Länder Lateinamerikas einreihen. Beim Koordinationstreffen der El Salvador-Solidarität wollen wir mit zwei Gästen aus El Salvador die aktuelle Situation und Anknüpfungspunkte für eine internationalistische Arbeit diskutieren. David Morales, ein bekannter Menschenrechtsanwalt, wird von seinem Kampf gegen die herrschende staatliche Willkür und die jahrzehntelange Straflosigkeit berichten. Sandra Guevara, Direktorin der Frauenorganisation MAM ist eingeladen, um die Chancen für einen Regierungswechsel, die politischen Perspektiven einer FMLN-Regierung und den befürchteten Wahlbetrug durch die Rechte zu analysieren.

Mehr Infos unter: www.oeku-buero.de Anmeldung bis zum 1. November unter: elsal(at)oeku-buero.de

8) Praktiken der Migration in der Diskussion, 21.10., Berlin 

Zur kritischen Auseinandersetzung mit den Praktiken der Migration und den Regulationsabsichten des Staates sind drei neue Arbeiten entstanden, die diskutiert werden. Manuela Bojadzijev berichtet über »Die windige Internationale: Rassismus und Kämpfe der Migration«, Serhat Karakayali fokussiert die »Gespenster der Migration: Zur Genealogie illegaler Einwanderung in der Bundesrepublik Deutschland« und Tobias Pieper »Die Gegenwart der Lager: Zur Mikrophysik der Herrschaft in der deutschen Flüchtlingspolitik«. Neben einer kurzen Vorstellung der neuen Arbeiten sollen Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Analyse aktueller Migrationsbewegungen und mögliche Widerstandsstrategien diskutiert werden.

21.10.08, 19:00Uhr, Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung, Kottbusser Damm 72, Berlin

Eine Veranstaltung des AK Internationale Politik & Politikanalysen des Bildungswerks Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung in Kooperation mit reflect!

9) Gipfeltreffen zur "Kontrolle der Migration" verhindern, 3.- 4.11., Vichy (fr)

Quelle: Indymedia Am 3. und 4. November lädt die französische Ratspräsidentschaft und der französische Minister für Immigration und die 'Nationale Identität', Brice Hortefeux, alle 27 europäischen Innen- und Justizminister ein. Dort haben die europäischen Minister vor, sich über die Kontrolle der Arbeitsmigration und die Durchsetzung der berüchtigten 'Rückführungs- vereinbahrungen' zu verständigen. Diese Vereinbahrungen sollen den rechtlichen Rahmen auf europäischen Niveau angleichen und verschärfen sowie die Abschiebepraxis koordinieren.

Sans-Papiers antworten verstärkt mit Widerstand, der zum Beispiel auch im Anzünden von Abschiebzellen und -knästen in verschiedenen europäischen Ländern Ausdruck findet. Es mehr als angebracht, sie zu unterstützen und das Treffen der Minister zu blockieren, die Stadt einzunehmen, die Anreise zu verhindern und den Alltag der Stadt Vichy zu stören, auf dass der Besuch wieder verschwindet. Die Mobilisierung fängt in Frankreich gerade erst an, verschiedene Kollektive, Organisationen und Gruppen rufen zum Demonstrieren auf. Die Migrationspolitik ist allerdings europäisch, unsere Mobilisierung soll es daher auch sein.

Mehr Infos bald auf den lokalen Indymedias. Alle nach Vichy, auch wenn die Zeit kurz ist.

Artikel mit weiteren Informationen http://buerengruppe.wordpress.com/2008/09/29/wie-europa-gedenkt-migration-zu-organisieren/

10) Reihe: Süd(ost)asien in Bewegung, 5.-20.11., Hamburg

Veranstaltungsreihe in der Werkstatt 3 (Hamburg): Süd(ost)asien in Bewegung Demokratisierungsbewegungen in Süd- und Südostasien

Vier Länder der Region stehen im Mittelpunkt dieser Reihe. Für jedes von ihnen bedeutet Demokratisierung etwas ­anderes. ­Indien beispielsweise hat eine lange demokratische Tradition, aber das alte Kastendenken führt noch immer zur Diskriminierung der Dalit, der so genannten "Unberührbaren". Anders in Burma: dort geht es darum, einer brutalen ­Militärjunta fundamentale Menschenrechte abzutrotzen. Den Indonesiern gelang es vor genau zehn Jahren, den Diktator Suharto zu stürzen. Nun beginnt der mühsame Prozess der "Reformasi". Mühsam ist auch die Aufarbeitung des Terrors der Roten Khmer in Kambodscha, denn die einstigen Täter sind überall. In diesem Jahr beginnen nach dreißig Jahren die ersten Prozesse gegen führende Kader der Roten Khmer.

Mi 05.11.08 - Indonesien Zwischen Riot and Reformasi Mi 12.11.08 - Indien: "Unberührbare" in Indien - Grenzenlos ausgegrenzt Do 20.11.08 - Kambodscha: Die Mörder sind noch überall

Weitere Infos unter: http://www.werkstatt3.de/programm/aktuelles/november08.htm

11) Buchvorstellung: Vergessene Proteste, 18.11.08, Bochum

Niels Seibert stellt Proteste aus der Bundesrepublik Deutschland in der Zeit von Mitte der 1960er bis Mitte der 1980er Jahre vor. Schwerpunkt ist die Zeit des Anwachsens sowie der Fraktionierung der 68er-Studentenbewegung, in der neue Gruppen und Bewegungen entstanden, die an den Internationalismus der Studentenbewegung anknüpften. Diese Zeit, Ende der 1960er bis Anfang der 1970er, war von einer weltweiten Aufbruchstimmung geprägt. Die politischen Aktivitäten, zu denen Niels Seibert recherchierte, sind vielfach in Vergessenheit geraten.(...) Ausgewählt wurden Proteste der Studenten- und Internationalismusbewegung, die sich innerhalb der Themenbereiche Kolonialismus und Neokolonialismus, internationale Solidarität, bundesdeutsche Ausländerpolitik sowie Flucht und Asyl bewegen.

18.11.08, Soziales Zentrum, Rottstr.31, Bochum (www.sz-bochum.de)

Seibert, Niels: Vergessene Proteste. Internationalismus 1964- 1983, Unrast Verlag 2008, 224 Seiten, 13.80 Euro,

12) Seminarreihe "Gerechte Bildung & Teilhabe in der Migrationsgesellschaft"

Von September 2008 - März 2009 werden im Rahmen der Seminarreihe "Gerechte Bildung und Teilhabe in der Migrationsgesellschaft" sechs verschiedene Bildungsansätze in der Alten Molkerei Frille vorgestellt, die diskriminierende Machtstrukturen thematisieren, emanzipatorische Bildungsprozesse anstoßen und Empowerment fördern.

Anti Bias 14.11.- 16.11.2008/ Social Justice 12.12.- 14.12.2008/ Transkulturelle Pädagogik 27.02.- 01.03.2009

Heimvolkshochschule Alte Molkerei Frille, Mitteldorf 1, 32469 Petershagen Tel.: +49 +5702 / 9771/ Fax: +49 +5702 / 2295/ Email: paproth(at)hvhs-frille.de Weitere Informationen: www.hvhs-frille.de

13) Presseerklärung zur Einstellung des 129a/129-Verfahrens

Presseerklärung Hamburg, den 1. Oktober 2008 Das mit den bundesweiten Durchsuchungen von über 40 Wohnungen und Projekten am 9. Mai 2007 bekannt gewordene §129a-Verfahren (Bildung einer terroristischen Vereinigung) ist am 24. September 2008 eingestellt worden. Es wurden 18 Personen beschuldigt einer "militanten Kampagne gegen den G8-Gipfel" anzugehören.

Der BGH hatte bereits mit Beschluss vom 20.12.07 entschieden, dass Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung gemäß §129a STGB schon aus rechtlichen Gründen ausscheide, aber auch keine hinreichende Verdachtslage hinsichtlich der Bildung einer kriminellen Vereinigung gemäß §129 STGB gegeben sei. Daraufhin gab die BAW das Verfahren an die Staatsanwaltschaft Hamburg ab. Diese zögerte die Einstellung nahezu 9 Monate hinaus. Erst mit Bescheid vom 24.9.08 wurde das Ermittlungsverfahren wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung bei allen Betroffenen ohne jede Begründung eingestellt.

Das Rad der Geschichte lässt sich nicht so einfach zurückdrehen -- und das ist auch gar nicht beabsichtigt. BAW, VS, BKA und LKA haben zumindest teilweise das erreicht, was sie vorhatten. Sie haben Daten gesammelt, Strukturen durchleuchtet, bundesweit ein Manöver durchgeführt, um ihre Apparate zu koordinieren und die Funktionsfähigkeit auszuprobieren, und sie haben die politische Konsensfähigkeit ihrer Strategien ausgetestet. Und sie haben versucht, eine Stimmung der totalen Kontrolle und Überwachung zu verbreiten. Die Auswirkungen auf uns - die Verfolgten - und auf die gesamte Gesellschaft sind nicht zu ignorieren und sind durch den BGH-Beschluss und den der Staatsanwaltschaft Hamburg nicht rückgängig zu machen.

[...]

Die komplette Erklärung sowie weitere Infos zu dem Verlauf des Verfahrens findet sich unter: http://www.Maus-Bremen.de (im Menü unter: "zu den bundesweiten Razzien am 9.5.07"), zu dem laufenden Verfahren in Berlin: http://einstellung.so36.net/

14) Finanzkrise als Nährboden für Antisemitismus

Das Neue Deutschland (!) hat ein Interview mit Prof. Werner Bergmann vom Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität (TU) Berlin geführt (siehe: http://www.neues-deutschland.de/artikel/137055.naehrboden-fuer-antisemitische-vorurteile.html). Darin geht es um strukturellen Antisemitismus bei der Analyse der Finanzkrise. Traditionell würden Juden seit dem Mittelalter mit dem Sektor Geld, Kreditvergabe und Handel identifiziert, zu dem sich im späten 19. Jahrhundert noch das Bild des "Börsenspekulanten" hinzugesellt habe, so Bergmann. Dies sei ein Bild, das sich bis heute erhalten habe. Umfragen zeigten, dass Juden von relativ vielen Befragten Eigenschaften wie "geldgierig" oder "geizig" zugeschrieben würden und man meine, dass ihr Einfluss in der Geschäftswelt und auf den Finanzmärkten zu groß sei.

Die Ereignisse betreffen das kapitalistische System als Ganzes

Im Folgenden geht Bergmann auf den Unterschied zwischen "raffendem" und "schaffendem" Kapital ein: Im Moment werde zum Beispiel versucht, den Kreis der Schuldigen für die Finanzkrise einzugrenzen. "Statt zu sagen, die Ereignisse betreffen das kapitalistische System als Ganzes, konzentriert man sich auf ein paar Banker und Spekulanten, denen bestimmte Eigenschaften wie "geldgierig" oder "können den Hals nicht voll kriegen" zugeschrieben werden", so Bergmann. "Eigenschaften, die auch zum Kern antisemitischen Denkens gehören und die der Debatte, sicher nicht mehrheitlich, aber in einigen Fällen, eine antijüdische Richtung geben könnten. Ich denke, dass momentan die Kritik an den USA dominiert. Allerdings ist der Weg vom Antiamerikanismus zum Antisemitismus oft nicht weit. Besonders ausgeprägt sind solche Vorstellungen von einer jüdisch-amerikanischen Allianz, die markt- und weltbeherrschend agiert, natürlich im rechtsextremen Lager. Aber man findet sie durchaus auch darüber hinaus."

Rechtsextremisten sprächen nun vom "judäo-amerikanischen Weltfinanz, die die Globalisierung steuert". Bergmann betonte, er habe den Eindruck, dass "das in den letzten Jahren durch die weit verbreiteten Vorbehalte gegen bestimmte Globalisierungsphänomene wieder ein Thema geworden ist."

[...]

Kompletter Text findet sich hier: http://npd-blog.info/?p=2303

15) Internationale Enzyklopädie zu Revolution und Protest 

Die 8 Bände umfassende Enzyklopädie "International Encyclopedia of Revolution and Protest. 1500 to the Present" soll aller Voraussicht nach ab März 2009 nicht nur in gedruckter Form erscheinen, sondern auch online zugänglich sein. Beleuchtet werden hierbei 500 Jahre (revolutionäre) Protestbewegung, vom Taiping Aufstand in China über die Anti-Kolonialen Revolten der Mau-Mau bis hin zu heutigen Bewegungen in Europa und Amerika. Dargestellt werden, sollen ihre Wurzeln, ihre Ideen und Ziele, ihr Einflüsse, Erfolge und Fehler.

International Encyclopedia of Revolution and Protest. 1500 to the Present Edited by Immanuel Ness, Brooklyn College Wiley-Blackwell, 978-1-4051-8464-9

Mehr Informationen: http://www.revolutionprotestencyclopedia.com/default.asp

16) PERIPHERIE 111 "Machtverschiebungen in der Weltwirtschaft" 

Editorial: Verschiebungen in den Machtverhältnissen der Weltwirtschaft

Der rasante wirtschaftliche Aufschwung, der seit den 1990er Jahren in China, Indien und eingeschränkt auch Brasilien, Südafrika oder Venezuela beobachtet wird, hat ältere, mit dem Schlagwort vom "Jahrhundert Asiens" verbundene Diskussionen über fundamentale Machtverschiebungen sowohl in der globalen Wirtschaft als auch in der Weltpolitik neu beflügelt. Dieses Heft der PERIPHERIE richtet seinen Blick auf Veränderungen in den Regionen, die immer wieder als neue geographische Schwerpunkte von Weltwirtschaft und Weltpolitik genannt werden. Die Frage der Dominanz einer nationalen Ökonomie in der Weltwirtschaft ist bereits ein altes Thema, eng verknüpft mit der Frage nach politischen Hegemonie- und Dominanzstrukturen. [...]

Das komplette Editorial, das Inhaltsverzeichnis, Leseproben, sowie weitere Infos findet ihr unter: http://zeitschrift-peripherie.de/

17) Buch: Die Türkei, die Juden und der Holocaust

Die erste Generation türkischer Migranten in Westeuropa war mehrheitlich jüdisch. 20 bis 30.000 Juden türkischer Herkunft lebten während der Zwischenkriegszeit in verschiedenen europäischen Ländern, wo sie eigene sephardische Gemeinden gründeten. Obwohl viele von ihnen Opfer der Schoah wurden, wurden sie in der internationalen Holocaustforschung bislang kaum berücksichtigt. Das Buch geht dem Schicksal türkischer Juden in verschiedenen europäischen Staaten unter der NS-Herrschaft nach. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der widersprüchlichen Politik der Türkei, die zwar einerseits verfolgten deutsch-jüdischen Wissenschaftlern und Künstlern Exil gewährte, andererseits jedoch wenig unternahm, um ihre im NS-Machtbereich befindlichen jüdischen Staatsbürger zu retten. Auch innerhalb der Türkei wurden Juden durch eine Sondersteuer faktisch ihres Besitzes beraubt, sodass die Mehrheit der verbliebenen Juden der Türkei nach Gründung des Staates Israel dorthin emigrierte.

Guttstadt, Corry: Die Türkei, die Juden und der Holocaust/ ISBN 978-3-935936-49-1/ erschienen September 2008/ 26.00 €/ Assoziation A

Weitere Infos: www.assoziation-a.de/neu/Die_Tuerkei_die_Juden_und_der_Holocaust.htm

18) Bundesregierung legalisiert "Einsatz militärischer Mittel" im Inland

Wie das Innen- und das Justizministerium am Montag (6.10.08) übereinstimmend mitteilten, haben sich die Regierungsparteien in Berlin auf eine entsprechende Änderung von Artikel 35 des Grundgesetzes geeinigt. Demnach wird die Bundeswehr künftig im Falle nicht näher definierter "besonders schwerer Unglücksfälle" auf deutschem Territorium operieren dürfen -zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Die Intervention kann vom Bundeskabinett, bei "Eile" vom Verteidigungsminister allein angeordnet werden. (...) Quelle: http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57357


20.10.2008

Vierter McPlanet.com Kongress

24.-26. April 2009 in der Technische Universität Berlin

Gegenwärtig erleben wir die wahrscheinlich heftigste Krise der Globalisierung: Die Weltwirtschaft ist massiv im Umbruch. Die globalen Finanzmärkte sind ins Wanken geraten, eine weltweite Rezession droht. Zugleich verschieben sich die weltwirtschaftlichen Gewichte: China und Indien haben das westliche Wirtschafts- und Konsummodell übernommen, rasches Wachstum paart sich dort mit krasser sozialer Ungleichheit und bedrückender Umweltzerstörung. Derweil geht in Europa und den USA die Angst um vor dem Verlust von Arbeitsplätzen und Absatzchancen an die neuen Konkurrenten, ökologische Standards geraten zunehmend aus dem Blickfeld.

Durch den Nachfrageschub aus Asien, Spekulation und ein falsches Wirtschaftsmodell schießen die Preise für Nahrung, Öl und andere Rohstoffe in die Höhe. Das Ende des billigen Öls ist in Sicht, eine globale Energiekrise steht am Horizont. Wasser wird knapp, die Meere sind überfischt. Und parallel werden die Auswirkungen des Klimawandels immer deutlicher spürbar.

All dies macht deutlich: "Business as usual" ist keine Option, und weit mehr als Kosmetik ist nötig, um die anstehenden Probleme zu bewältigen. Vom 24.-26. April 2009 wird in Berlin zum vierten Mal der McPlanet.com-Kongress stattfinden und echte Alternativen und Lösungen zu den Krisen der Globalisierung diskutieren. McPlanet.com stellt unbequeme Fragen, sucht Antworten und bringt in über 100 Veranstaltungen Aktive aus Umwelt- und globalisierungskritischer Bewegung, aus Politik, Kirche und Kultur, aus Wirtschaft und Wissenschaft zusammen, um über Globalisierung und Umwelt zu diskutieren und zu informieren.

Wieder werden namhafte ReferentInnen dazu beitragen. So haben beispielsweise der indische Ökonom Jagdish Bhagwati, Wirtschafts- und Politikprofessor an der Columbia University, der Schriftsteller Ilija Trojanow und Christiane Grefe, Journalistin (Die Zeit) und Mitautorin von "Der Globale Countdown" bereits zugesagt.

Wir laden Sie und Euch herzlich ein und freuen uns auf einen gemeinsamen McPlanet.com 2009!

Euer McPlanet.com 2009 - Team

Mcplanet.com 2009 ist ein gemeinsamer Kongress von Umwelt- und globalisierungskritischer Bewegung und wird gemeinsam von Attac, dem BUND, dem Evangelischen Entwicklungsdienst, Greenpeace und der Heinrich-Böll-Stiftung in Kooperation mit dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie veranstaltet. SAVE THE DATE!


18.10.2008

Hausbesichtigungen sind typisch für Freiburgs südlichen Lebensstil

In Freiburg besichtigten am Samstag, den 18. Oktober 2008, etwa 60 Wohnungssuchende ein leerstehendes Haus in der Wiehre. Sie reagierten auf eine Onlineanzeige bei einem Wohnraumvermittlungsportal, das sich auf Wohngemeinschaften spezialisiert hat: ___________________________________________________ ANZEIGE

Kein Wohnraum für Studierende? Leerstand ist kein Zustand!

Zwei Etagen für große Wohngemeinschaft (oder auch separat): Sieben Zimmer + Wohnzimmer + Küche + 2 Toiletten + ausgebauter Dachboden mit traumhaftem Blick über Freiburgs Dächer. Optional großes Hinterhaus ausbaubar (z.B. Fahrradwerkstatt), innenstadtnah (5 Minuten zur Uni) Besichtigungstermin: Samstag, 18.10.2008, 15 Uhr, Günterstalstraße 30 ___________________________________________________

Seit Jahren wird die Wohnungssituation in Freiburg für Arme und Studierende prekärer. Altbauten werden entweder abgerissen oder luxussaniert, Neubauten sind sowieso nur als Wohnsilo erschwinglich. Neue Wohngemeinschaften zu gründen ist angesichts der Maklerprovisionen nahezu unmöglich, denn auf dem "freien Markt" werden kaum Wohnungen an WGs vermietet. Als Alternative bleibt den Studierenden nur Lohnarbeit oder Kredit, um die horrenden Mieten zahlen zu können, wenn sie nicht in einem der über dreißig reaktionären Verbindungshäusern absteigen wollen.

Mieten in ehemals alternativen Stadtteilen werden durch so genannte "Aufwertungsprozesse" in die Höhe getrieben. Im Vauban-Quartier werden beispielsweise prestigeträchtig Niedrigenergiehäuser gebaut und gleichzeitig günstiger gemeinschaftlich genutzter Wohnraum geräumt und zerstört. Oberbürgermeister Salomon ließ 2004 die bezugsfertigen ehemaligen Kasernen hinter dem heutigen Glasparkhaus abreißen. Auf dem Fahnenmastplatz wurde 1994 die erste KTS und 2005 eine Wagenburg geräumt. Die Begründung war identisch: Ein neuer Supermarkt soll her. Danach wurde die "Wilde Astrid", der Wagenplatz an der Innsbrucker Straße, verdrängt.

Jede Zeit findet ihre Antwort auf Probleme, die es im Kapitalismus zu allen Zeiten gibt. Unsere Aktion soll den Widerspruch zwischen dem Eigentum der Wenigen und den Bedürfnissen der Vielen sichtbar machen. Wir wissen nicht, warum dieses Haus leersteht. Wir wissen auch nicht, warum so viele andere Häuser in Freiburg leerstehen. Aber wir finden unerträglich, dass wir schuften und uns einschränken müssen, wenn gleichzeitig Häuser leerstehen. In Freiburg wurde die Wohnraumfrage schon einmal anders und sehr praktisch gelöst: Besetzt mehr Häuser!

FreundInnen des Freiraums, Kommando langes Gedächtnis

Weitere Aktionen gegen Leerstand:

14.08.2008: Symbolische Besetzung in Freiburg für Bühl http://de.indymedia.org/2008/08/224472.shtml

28.08.2008: Erneut symbolische Hausbesetzung in Freiburg http://de.indymedia.org/2008/08/225564.shtml


17.10.2008

Wie funktioniert Geld?

Ein kleiner Cartoon über das Wesen des Geldes (Video)

Im Rahmen seiner Diplomarbeit hat Max von Bock im letzten Jahr im Fach Design einen kleinen Infofilm zum Thema Geld- und  Bankenwesen gemacht. Handlung des Films: Aliens haben das Geld erfunden, um die Erde und ihre Bewohner auszubeuten.

Erster Teil des 3-teiligen Animationsfilms zur Erklärung des Geld- und Bankenwesens: "10-Punkte-Plan zur effizienten Ausbeutung eines Planeten mit halbintelligenten Lebensformen":

http://www.youtube.com/watch?v=9BrLrwbkQWQ

Zweiter Teil http://www.youtube.com/watch?v=aK2yZlHk4cA

Dritter und letzter Teil http://www.youtube.com/watch?v=0VOtdQrCoyk

Max von Bock www.maxvonbock.de


16. Oktober 2008

* Filz zwischen Politik und Gentechnikfirmen * Feldbefreierinnen vertiefen vor Gericht die Diskussion um den rechtfertigenden Notstand

Gut vorbereitet kamen heute die Angeklagten aus Frankfurt und der Steiermark ins Amstgericht Bad Freienwalde in Brandenburg. Beide hatten im Juli 2007 an der großen freiwilligen Feldbefreiung im Oderbruch teilgenommen. Und beide forderten Freispruch und Anerkennung des rechtfertigenden Notstandes.

„In den letzten Prozessen verlangte die Amtsrichterin von Gentechnikgegnern die Quadratur des Kreises“, sagte die Feldbefreierin Ruth Pammer, die die letzten Urteile des Gerichtes gegen Aktivisten genau studiert hat. „Einerseits betont das Urteil, dass wir mit einer Feldbefreiung nicht das mildeste mögliche Mittel gewählt hätten, um die Gentechnik zu stoppen. Es verweist auf Wahlen, Demonstrationen und Unterschriftenlisten. Andererseits kommt die Richterin zu dem Schluss, dass die Feldbefreiung nicht geeignet sei, weil sie ja nicht flächendeckend wirke.“

Am heutigen Donnerstag saß auf dem Richterstuhl Amtsgerichtsdirektor Seidel. Ihm erläuterten die Angeklagten ein besonderes Problem: Der Filz zwischen Politik und Gentechnikunternehmen bringe die Demokratie an eine Grenze. Angeklagte Patrizia Dickräuter: „Seit Jahren will die Mehrheit der Menschen keine Gentechnik. Die Politik musste längst anerkennen, dass die Gentechnik unbeherrschbare Folgen hat. Darüberhinaus hat diese Technologie in den letzten Jahren Millionen an Fördergeldern geschluckt, sie gefährdet die bäuerliche Landwirtschaft und schafft selbst kaum Arbeitsplätze. Aber dennoch schaffen Freisetzung und kommerzieller Anbau immer weiter Tatsachen. Wer sich wehrt, steht einer unheilvollen Allianz von Politikern und Konzern- beziehungsweise Institutsvertretern gegenüber Mir fällt in dieser Situation kein milderes Mittel ein, als ein starkes öffentliches Zeichen wie unseres Feldbefreiungen sie sind!“

Zum Prozess angereist war Christoph Then, Biologe, ehemaliger Greenpeac-Campaigner und Autor einer aktuellen Studie zum Filz zwischen Politik und Gentechniklobby in Ostdeutschland. Er äußerte sich beeindruckt über die Argumentation der Gentechnikgegnerinnen und wünschte sich, dass solche Diskussionen vor weiteren Gerichten vertieft werden würden.

Gegen Mittag verkündete der Richter das Urteil: Beide Feldbefreierinnen erhielten 15 Tagessätze. In seiner Begründung merkte er vor allem an, dass zum Zeitpunkt der Aktion im letzten Jahr die Maisblüte schon begonnen hatte, womit die Gefahrenabwendung zu spät gekommen sei.


16.10.2008

Verleihung der deutschen BigBrotherAwards 

am Freitag, den 24. Oktober 2008 ab 18 Uhr in Bielefeld

Datenschutz ist Thema auf allen Kanälen: Ein Skandal jagt den anderen. Viele Kandidaten, die die BigBrotherAwards zum Teil schon vor Jahren ans Licht der Öffentlichkeit gebracht haben, bekommen nun die ganze Breitseite der Negativ-Schlagzeilen: Payback-Kundenkarten, RFID-Schnüffelchips, Lidl, Telekom. Datenkrakereien gibt es seit langem - dass die Bürger sie nicht länger hinnehmen wollen, das ist neu: Acht Jahre BigBrotherAwards haben viel bewirkt.

Auch 2008 verleihen wir wieder den Datenschutznegativpreis BigBrotherAward. Über 500 Nominierungen haben uns erreicht, die alle von uns geprüft und nachrecherchiert wurden. Der Jury aus Bürgerrechts- und Netzorganisationen ist die Entscheidung nicht leicht gefallen.

Die BigBrotherAwards-Verleihung 2008

Freitag, 24. Oktober 2008, 18-20 Uhr im Historischen Saal der Ravensberger Spinnerei Bielefeld

Die festliche Verleihungsgala wird argumentativ unterstützt von einem international renommierten Zauberer, der das Publikum auf Manipulationsbeständigkeit testen wird. Das Saxophonquartett "Forty Fingers" sorgt für Abrundung und kleine Atempausen im Parforceritt durch die Schrecken der alltäglichen Datendiebereien. Durch das Programm führt Andreas Liebold (Ex-Frühstyxradio).

Eintrittskarten gibt es an der Abendkasse und im FoeBuD-Onlineshop (Normal: 5 Euro, ermäßigt: 0 (null) Euro, Förderkarten: 40 Euro, Firmenkarten: 120 Euro)

siehe: https://shop.foebud.org/index.php?cName=big-brother-awards-c-29


16.10.2008

Eiskalter Krieg 

BERLIN/MOSKAU (Eigener Bericht) - Die EU kündigt einen "Aktionsplan" für die Arktis an und will darin die Förderung von Rohstoffen sowie die "grundsätzliche Frage der Führungsansprüche" im Nordmeer klären. Hintergrund ist die Konkurrenz zwischen den Großmächten im Polargebiet, die zunimmt, weil die Eismassen wegen der Erderwärmung tauen und den Zugriff auf umfangreiche Ressourcen freigeben. Neben Russland und den Vereinigten Staaten verlangen auch Berlin und Brüssel Anteil am dortigen Öl und Gas. Der Kampf um Einfluss im Polargebiet wird von massiven Aufrüstungsmaßnahmen begleitet. Gleichzeitig beginnt die deutsche Transportwirtschaft mit der geostrategisch folgenreichen Erschließung neuer Handelsrouten im Polarmeer. Dabei handelt es sich um Schiffswege, die sich in den kommenden Jahren mit dem Abschmelzen der Polarkappen öffnen und die Transportstrecken nach Ostasien in erheblichem Maße verkürzen. Weil der deutsche Ostasien-Handel - durch die Finanzkrise noch verstärkt - immer mehr an Gewicht gewinnt, kommt den neuen Routen langfristig hohe Bedeutung zu. Sie führen an der russischen Nordküste entlang, werden bereits in Kooperation mit Russland erschlossen - und verdichten damit die strategischen Bindungen zwischen Berlin und Moskau.

mehr http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57366


VERLEIHUNG DER CARL-VON-OSSIETZKY-MEDAILLE 2008

Der Festakt zur diesjährigen Verleihung der Carl-von-Ossietzky-Medaille 2008 findet

am 07. Dezember 2008, von 11:00 bis 13:00 Uhr im Haus der Kulturen der Welt (HKW) in Berlin

statt (Pressekonferenz am 06. Dezember um 10:00 Uhr ebenfalls im HKW)

Das Kuratorium nominierte zwei Gruppen, die wegen ihres mutigen Einsatzes für die Menschenrechte geehrt werden sollen:

- die „Anarchisten gegen die Mauer“ aus Israel (Anarchists Against the Wall) http://www.awalls.org/about_aatw , http://www.awalls.org

- das Bürgerkomitee des Dorfes Bil’in aus Palästina (Bil’in Popular Committee) http://www.bilin-village.org/english/, http://www.bilin-village.org/index.htm.

Der israelische Journalist und Friedensaktivist Uri Avnery wird als Ehrengast während des Festakts und der Pressekonferenz sprechen.

Im sechzigsten Jahr nach der Proklamation der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte am 10. Dezember 1948 durch die Vollversammlung der Vereinten Nationen hat die Verleihung der Carl-von-Ossietzky-Medaille für herausragende Verdienste bei der Verwirklichung der Grund- und Menschenrechte eine besondere Bedeutung.

Am 4. Mai jährte sich zum 70. Mal der Todestag des Friedensnobelpreisträgers und Pazifisten Carl von Ossietzky, der wegen seines entschlossenen Widerstands gegen Militarismus, Krieg und Rassismus in das Konzentrationslager Sonnenburg (heute in der Stadt Slonsk in Polen) verschleppt und grausamer Folter ausgesetzt wurde. Vor diesem Hintergrund würdigt das Kuratorium die Zivilcourage der Organisationen, die - ganz im Sinne von Carl von Ossietzky – den wechselseitigen Feindseligkeiten, die in der israelischen und palästinensischen Gesellschaft vorherrschen, den gemeinsamen Kampf für gemeinsame Anliegen entgegensetzen.

Sie stehen beispielhaft für den gewaltfreien Widerstand gegen die von Israel errichtete Trennungsmauer auf palästinensischem Land sowie für Standhaftigkeit in vielfältigen Graswurzelaktionen von Palästinensern, Israelis und internationalen Unterstützerinnen und Unterstützern gegen die israelische Besatzung der Westbank und des Gazastreifens.

Sie praktizieren eine Kultur, die eine gemeinsame Zukunft ohne Ausgrenzung und Zerstörung vorwegnimmt und demonstrieren bewusst, dass ein Zusammenleben in Freiheit und Frieden möglich ist. Sie vertreten ihre Sache auch konsequent auf der internationalen Bühne: So hat das palästinensische Dorf Bil’in zwei kanadische Immobilienunternehmen vor dem Obersten Gerichtshof von Quebec wegen Beteiligung an Bauvorhaben in der Siedlung Modi’in Illit verklagt, die zu einem großen Teil auf dem Boden Bil’ins errichtet wurde. Die Gruppen wurden von jungen Aktivisten und Aktivistinnen etwa zeitgleich gegründet

- Die „Anarchisten gegen die Mauer“ im Jahre 2003 als Antwort auf die israelische Errichtung der Mauer. - Das Bil’iner Bürgerkomitee entstand im Dezember 2004 als Reaktion auf den von Israel geplanten und inzwischen vollständig gebauten Sperrzaun, der das Dorf von 60 Prozent seiner Felder und Olivenhaine trennt.

Beide Organisationen verdanken ihre Wirkung in der Öffentlichkeit Israels und Palästinas ihrer parteipolitisch unabhängigen, selbstbestimmten, transparenten und gewaltfreien Praxis. Ihre gemeinsamen, vom Bil’iner Bürgerkomitee seit Februar 2005 ausnahmslos an jedem Freitag organisierten Demonstrationen am Sperrzaun von Bil’in, haben zur Entstehung eines breiten internationalen Solidaritäts- und Schutznetzwerks geführt. Israelische Grenzsoldaten feuern dort regelmäßig aus nächster Nähe Tränengas-, Gummi-ummantelten Stahl- und neuerdings Gestankgeschosse ab. Sie schrecken selbst nicht davor zurück, Demonstranten und Demonstrantinnen – zum Teil schwere – Körperverletzungen zuzufügen

Das Kuratorium der Internationalen Liga für Menschenrechte verbindet mit der Nominierung der „Anarchisten gegen die Mauer“ sowie des „Bil’iner Bürgerkomitees“ die Überzeugung, dass die Zivilcourage, mit der sie Behinderungen und Gefahren im Interesse des gemeinsamen Engagements für eine lebenswerte Zukunft überwinden, für die universelle Verwirklichung der Ideale der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vorbildlich und im Zeitalter der Globalisierung über die Grenzen Israels und Palästinas hinaus bedeutsam ist.

Uri Avnery wird gemeinsam mit seiner Mitstreiterin Rachel Avnery an der Auszeichnung teilnehmen und als Ehrengast auf dem Festakt und auch auf der Pressekonferenz sprechen. Avnery erhielt im Jahre 2001 mit Rachel und der Friedensgruppe Gush Shalom den Stockholmer Alternativen Friedensnobelpreis, wurde 2002 mit dem Carl-von-Ossietzky-Preis der Stadt Oldenburg geehrt, 1997 mit dem Aachener Friedenspreis und 1995 mit dem Erich-Maria-Remarque-Preis der Stadt Osnabrück.

Vorstand der Internationalen Liga für Menschenrechte Haus der Demokratie und der Menschenrechte Greifswalder Str. 4, D-10405 Berlin Fon: ++49 (0) 30 396-2122, Fax: -2142


Studie: Weltweit hungern 923 Millionen Menschen

Dienstag, 14. Oktober, 14:19 Uhr

AFP Rund um den Globus leiden derzeit fast eine Milliarde Menschen an Hunger. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Hungernden weltweit von 848 auf 923 Millionen Menschen, wie aus dem Welthunger-Index 2008 hervorgeht, den das Washingtoner Forschungsinstitut für Ernährungspolitik (IFPRI) aus Washington und die Welthungerhilfe in Berlin vorstellten. Mit dem Welthunger-Index lässt sich das weltweite Ausmaß der Unterernährung wissenschaftlich erfassen. Er zeigt die Hungersituation in 88 Entwicklungs- und Schwellenländern.

Im Welthunger-Index werden die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren, der Anteil der Kinder unter fünf Jahren mit Untergewicht sowie der Anteil der Unterernährten an der Gesamtbevölkerung des Landes bewertet. Am schwersten von Hunger betroffen sind demnach afrikanische Länder südlich der Sahara. Schlusslichter in dem Index bilden Äthiopien, Burundi, Eritrea, Liberia, Sierra Leone, Niger und die Demokratischen Republik Kongo. Dem Index zufolge herrscht insgesamt in 33 der 88 untersuchten Länder eine "sehr ernste" oder "gravierende Hungersituation". "Fast eine Milliarde Hungernde sind eine Schande für die Menschheit", erklärte die Vorstandsvorsitzende der Welthungerhilfe, Ingeborg Schäuble. Das durch die Finankrise ausgelöste Umdenken der internationalen Gemeinschaft müsse sich auch auf die Hungerkrise erstrecken. "Die Welt braucht ein Rettungspaket gegen den Welthunger", erklärte Schäuble. Im Welthunger-Index 2008 wurden erstmals die aktuellen Werte mit denen von 1990 verglichen. Obwohl sich demzufolge die Lage in einigen Regionen in Asien, Nordafrika, Lateinamerika und in Nahost verbessert hat, gebe es "auf breiter Front" keinen Fortschritt in der Hungerbekämpfung, erklärte IFPRI-Direktor Joachim von Braun. "Damit können wir uns nicht abfinden." Die Initiatoren des Welthunger-Indexes forderten deshalb eine Erhöhung der Mittel für die Landwirtschaft in Entwicklungsländern von jährlich mindestens zehn Milliarden Euro sowie die Schaffung fairer Handelsbedingungen.


12.10.2008

"INTERNATIONALE LIGA FÜR MENSCHENRECHTE" informiert über die Datenschutzdemonstration am Wochenende in Berlin, zu der über 100 Bürgerrechtsorganisationen, darunter auch die Internationale Liga für Menschenrechte, Bürgerinitiativen, Berufsverbände, Beratungsstellen, Gewerkschaften und Parteien aufgerufen hatten.

1. Pressemitteilungen des Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung und des Datenschutzvereins FoeBuD e.V. zu Vorbereitung und Verlauf der Demonstration am 11.10.2008

Pressemitteilung des Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung vom 12.10.2008:

"Freiheit statt Angst": Weltweite Proteste gegen Überwachung

Am gestrigen Samstag fanden unter dem Motto "Freiheit statt Angst – Stoppt den Überwachungswahn!" erstmals weltweite Proteste gegen Überwachungsmaßnahmen wie Vorratsspeicherung aller Telekommunikationsdaten, Flugreisendenüberwachung und biometrische Bürgererfassung statt. In mehr als 15 Ländern forderten Bürgerinnen und Bürger den Abbau von Massenüberwachung, einen sofortigen Stopp neuer Überwachungsmaßnahmen und eine unabhängige Überprüfung bereits beschlossener Gesetze. "Eine freie und offene Gesellschaft kann ohne bedingungslos private Räume und Kommunikation nicht existieren", heißt es zur Begründung in dem internationalen Aufruf.

In Berlin fand die größte Demonstration gegen Überwachung in der Geschichte der Bundesrepublik statt (...) Auf der Abschlusskundgebung vor dem Brandenburger Tor forderten die Veranstalter politische Konsequenzen: padeluun vom Datenschutzverein FoeBuD erklärte, im Lichte der Massenproteste müsse die Politik jetzt reagieren und die 2007 beschlossene Vorratsdatenspeicherung aller Telekommunikationsverbindungen zurücknehmen. Patrick Breyer vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung stellte einen Fünfpunkteplan vor:

Überwachungsmaßnahmen müssten reduziert, bestehende Sicherheitsgesetze evaluiert und aktuelle Verschärfungsvorhaben eliminiert werden. Im Rahmen einer "neuen, freiheitsfreundlichen Sicherheitspolitik" müsse stattdessen in konkrete Präventionsmaßnahmen etwa in der Jugendarbeit investiert und die politische Arbeit auf die wirklichen Probleme der Menschen wie Armut und Bildung fokussiert werden. Ricardo Cristof Remmert-Fontes vom Arbeitskreis kündigte weitere Aktionen an und lud die Teilnehmer ein, den erfolgreichen Tag im Rahmen einer "Langen Nacht der Überwachung" in sieben teilnehmenden Berliner Clubs zu feiern.

In anderen Ländern fanden am gestrigen "Freedom not Fear"-Aktionstag die folgenden Veranstaltungen statt: Eine kulturelle Protestveranstaltung mit Musik und verschiedenen Kunstvorführungen in Den Haag, Vorträge in Rom, eine gemeinsame Überwachungskamerakartierung in Madrid, künstlerische Darstellungen vor dem Parlament in Wien, Demonstrationen in Paris, Prag, Sofia und Stockholm, die Verteilung von Datenschutzsoftware in Kopenhagen, Informationsveranstaltungen in Guatemala City und Buenos Aires sowie zum Abschluss eine Lichtprojektion an das Rathaus von Toronto. In London wurde gegen den Aufbau eines Überwachungsstaates in Form einer Fotocollage auf dem "Parliament Square" protestiert, die das Konterfei des Premierministers und das Motto des Aktionstages "Freedom not Fear" (Freiheit statt Angst) zeigte.

Im Vorfeld der Demonstrationen warnte der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung vor einer "Überwachungslawine in Deutschland": Der Deutsche Bundestag habe in den letzten 10 Jahren mindestens 21 mal die Kontrolle und Beobachtung der Menschen verschärft. Mindestens 18 weitere Verschärfungen der staatlichen Bürgerüberwachung stünden aktuell auf der politischen Agenda, darunter die Vorratsspeicherung von Flugreisendendaten, die Übermittlung persönlicher Daten an die USA sowie Exekutivbefugnisse einschließlich Computerüberwachung für das Bundeskriminalamt.

Diese Pressemitteilung im Internet: http://www.vorratsdatenspeicherung.de/content/view/267/79/

Über uns: Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung (AK Vorrat) ist ein bundesweiter Zusammenschluss von Bürgerrechtlern, Datenschützern und Internet-Nutzern, der die Arbeit gegen die geplante Vollprotokollierung der Telekommunikation koordiniert. http://www.vorratsdatenspeicherung.de

Pressemitteilung des FoeBuD e.V. vom Sonntag, den 12. Oktober 2008

FoeBuD: Demonstrationserfolg ist historisch

* FoeBuD bewertet Erfolg der Demonstration vom Samstag als historisch * 100.000 Teilnehmer/innen: Bewegung für Bürgerrechte erreicht neue Dimension.

Die Demonstration "Freiheit statt Angst" vom Samstag hat die Volkszählungsdemo vom 16. Mai 1987 um ein mehrfaches übertroffen. Damals demonstrierten 12.000 Menschen in Berlin, gestern waren es 100.000. Dies war die größte Demonstration für Datenschutz, die es in diesem Land je gegeben hat.

"Damit hat die Bewegung für Bürgerrechte und Datenschutz eine neue Dimension erlangt. Und wir haben die Mitte der Gesellschaft erreicht", sagte Rena Tangens, Vorsitzende des FoeBuD e.V.. Deutlich wird dies für Tangens auch an der politischen Bandbreite der Beteiligten vom Samstag. Über 100 Initiativen und Parteien hatten sich dem Aufruf der Bürgerrechtsorganisationen im AK Vorratsdatenspeicherung angeschlossen. Darunter Berufsverbände wie die Journalistenverbände dju und DJV, die Freie Ärzteschaft, der Deutsche Anwaltsverein, Gewerkschaften wie ver.di und DGB, Beratungsstellen wie die AIDS-Hilfe und die Telefonseelsorge, Attac und Parteiorganisationen wie Grüne, Jusos, FDP und die Linke.

So großes Interesse für Datenschutz gab es zuletzt vor über zwanzig Jahren. "Da ist eine Aufbruchstimmung wie zu Zeiten der Volkszählung", sagte Tangens, die schon 1983 beim Volkszählungsboykott beteiligt war. "Angesichts der heutigen technischen Möglichkeiten ist die Bürgerrechtsbewegung heute noch viel notwendiger als vor zwanzig Jahren. Diese Bewegung kann nicht mehr ignoriert werden. Alle Parteien werden sich in den kommenden Wahlkämpfen fragen lassen müssen, wie sie zu Bürgerrechten stehen."

Der FoeBuD freut sich besonders, dass sich vor allem viele jugendliche und technikbegeisterte Menschen aktiv in der Bürgerrechtsbewegung engagieren. "Unsere Generation ist eben nicht unpolitisch. Gerade weil wir uns mit Computertechnik und Datennetzen auskennen, wissen wir auch um die Gefahren. Und wir wollen nicht, dass die Möglichkeiten der neuen Technik gegen uns eingesetzt wird", so Florian Glatzner vom FoeBuD.

Auch für den FoeBuD als Organisation und Teil der Bewegung ist diese Demo ein großer Erfolg. "Wir haben die letzten Wochen und Monate beim FoeBuD kaum etwas anderes gemacht als diese große Bündnisdemo zu unterstützen und es hat sich gelohnt. Endlich erreicht die Demokratie Digitalien", so der Künstler padeluun.

Nächster Höhepunkt der Arbeit des FoeBuD wird die Verleihung des BigBrotherAwards am 24.10.08.

Kontakt: FoeBuD e.V. - Rena Tangens, padeluun - Web: www.foebud.org, www.bigbrotherawards.de, www.stoprfid.de

Pressemitteilung des Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung Berlin, 11.10.08, 17:30 Uhr

* Datenschutz-Demonstration "Freiheit statt Angst": Zahl der Demonstrant/innen hat sich zur Abschlusskundgebung noch einmal verdoppelt.

In Berlin hat um 17:00 direkt vor dem Brandenburger Tor die Abschlusskundgebung der Großdemonstration "Freiheit statt Angst - Stoppt den Überwachungswahn" begonnen.

Da viele Teilehmer sich unterwegs dem Zug angeschlossen haben, hat die Zahl der TeilnehmerInnen nach Angaben der Veranstalter zur Abschlusskundgebung 100.000 Menschen erreicht.

"An einen solchen Erfolg hätten wir in unseren wildesten Träumen nicht gedacht. Diese Bewegung für Bürgerrechte kann jetzt nicht mehr ignoriert werden", so Ralf Bendrath vom AK Vorrat.

Der Überraschungsgast auf der Rednerbühne, Dr. Motte, wurde frenetisch von den 100.000 Teilnehmern bejubelt. Dr. Motte sagte von der Bühne: "Das ist toll, wow! Ich wünschte, 80 Millionen aus ganz Deutschland wären hier. Wir sind die Gesellschaft, wir haben die Möglichkeit." Daraufhin griff er die Bundesregierung an. "Warum sind immer noch Verfassungsfeinde in der Regierung?"

Die Organisatoren der Demo kündigen weitere Aktionen an. "Nach diesem Erfolg erwarten wir jetzt endlich Reaktionen von der Politik. Das heisst: Rücknahme der Vorratsdatenspeicherung und anderer Überwachungsgesetze und Eindämmung der Datensammelwut durch Firmen wie die Telekom", so padeluun von der Demoleitung. http://www.vorratsdatenspeicherung.de

Pressemitteilung des Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung vom 9.10.2008:

117 Organisationen rufen zur Demonstration Freiheit statt Angst auf

Gestern informierte der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung in einer Pressekonferenz über den weltweiten Aktionstag "Freiheit statt Angst" / "Freedom not Fear", der übermorgen, am 11.10.2008 in Berlin und 23 weiteren Städten stattfindet.

Aufruf zur Teilnahme an der Demonstration in Berlin

Vorratsdatenspeicherung, Online-Durchsuchung, E-Mail-Überwachung, Großer Lauschangriff, menschenverachtender Hartz IV Striptease, RFID-Funkchips, Vermummungsverbot, Videoüberwachung, Elektronischer Reisepass, Fingerabdruckerfassung, Rasterfahndung, Biometrische Gesichtserkennung, Steuer-Identifikationsnummer, Echelon, BKA-Gesetz, FRA-Gesetz, Zentrales Melderegister, Staatlicher Kontenabruf, Automatische Nummernschilderkennung, Mautdatenverwendung, Anti-Terrordatei, Elektronische Gesundheitskarte, Schüler-ID, Wohnraumüberwachung, Ausländerzentralregister, Körpergeruchsproben, Payback-Kundenkarten, Stille SMS, Passagierlisten, Telefonüberwachung, Schufa-Auskunft, Volkszählung, Elektronischer Personalausweis, Mustererkennung, Elena-Verfahren...

Vor dem Hintergrund dieser Überwachungslawine ruft ein breites Bündnis, initiiert vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung, alle Menschen auf, am Samstag, den 11. Oktober 2008 in Berlin gemeinsam für "Freiheit statt Angst" auf die Straße zu gehen und eine 180-Grad-Wende der gegenwärtigen Überwachungspolitik zu verlangen (www.freiheitstattangst.de). Statt Überwachungswahn und zweifelhafter Sicherheitsversprechen setzen wir uns für den Abbau von von staatlicher Kontrolle und Bespitzelung ein. Die Demonstration in Berlin ist der deutsche Beitrag zum internationalen Aktionstag "Freedom not Fear" am 11. Oktober 2008, an dem erstmals zeitgleich in über 23 Städten auf drei Kontinenten Proteste gegen die exzessive Überwachung und Informationsansammlung stattfinden werden.[1]

Der deutsche Aufruf zur Demonstration wird inzwischen von 117 Organisationen aus den verschiedensten Teilen der Gesellschaft unterstützt, darunter auch Berufsverbänden wie dem Deutschen Anwaltsverein und Gewerkschaften wie dem DGB.[2] Aus knapp 100 Städten fahren Busse zur Demonstration.

Überwachung zerstört Präventions- und Beratungsarbeit: Rückgang des Beratungsaufkommen um 10 - 15 %

Karl Lemmen von der Deutschen AIDS-Hilfe erläuterte eindrucksvoll, dass die Speicherung von Verbindungsdaten auch die Speicherung von sensiblen Gesprächsthemen bedeuten kann. Allein die Information, dass man sich an eine AIDS-Beratung gewandt habe, könne missbraucht werden. "Theoretisch kann man dann jede Kontaktaufnahme mit dem Thema HIV in Verbindung "ringen". Ein Anrufer bei einer Beratungsstelle der AIDS-Hilfe "wird sich eben nicht über Kartoffelpreise unterhalten wollen, sondern er möchte das Beratungsangebot der Organisation nutzen". Man könne so also auch ohne Speicherung von Gesprächsinhalten sehr wohl viele intime Details über Menschen feststellen, und das flächendeckend für die gesamte Bevölkerung. Die jüngsten Skandale haben gezeigt, dass Datensammlungen nie sicher sind und Begehrlichkeiten und Missbrauch potentiell immer möglich sind. Vorratsdaten schaffen ein Gefühl von Angst und Unbehagen und zerstören so das für Präventions- und Beratungsarbeit notwendige Vertrauensverhältnis. Lemmen beklagt bei den AIDS-Hilfen einen Rückgang des Online-Beratungsaufkommen um 10 bis 15 % seit Einführung der Vorratsdatenspeicherung.

Psychologen rufen zum Boykott der Gesundheitskarte auf

Fredi Lang vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. warnt eindringlich über unkalkulierbare Risiken durch die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte. Die über die Gesundheitskarte gewonnenen Daten könnten von Dritten nicht immer eindeutig interpretiert werden. Ein Patient könne nach einer psychotherapeutischen Behandlung beispielsweise wesentlich widerstandsfähiger sein, als er es vielleicht ohne Behandlung wäre. Versicherungen bewerten Besuche bei Psychologen und Psychotherapeuten jedoch in der Regel anders, nämlich mit Risikoaufschlägen auf die Versicherungsprämien. Genau an dieser Stelle entstehen dann auch die Begehrlichkeiten nach Datensätzen, die Hinweise auf das Verhalten von Patienten enthalten. Die aktuellen Datenunfälle (von Bankdaten aus Liechtenstein bis zu 17 Millionen Kundendaten der Telekom) zeigen, das es auch keine wirksamen Sicherungsmechanismen gibt.


Pressemitteilung 9. Oktober 2008 Nr. 17

Fußball und Antisemitismus

Fachvortrag im Ex-Haus Trier : Montag, 13. 10, 19.30 Uhr

„Fußball und Antisemitismus – oder das seltsame Schweigen von Fans und Fußballfunktionären“ ist der Titel eins Vortrags am kommenden Montag, 13. Oktober, 19.30 Uhr, im Jugend- und Kulturzentrum Ex-Haus in Trier, Zurmaiener Str. 114. Der Vortrag findet im Balkensaal statt. Die Referenten sind die bekennenden Fußballfans Christoph Goergen und Christian Hirsch von der Gruppe „IN DEN LAUF – Fußball, Fans, Kultur“, die zur Aktion 3. Welt Saar gehört. Veranstalterinnen sind das Ex-Haus und die Aktion 3. Welt Saar in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz.

„Wir bauen eine U-Bahn von Trier nach Auschwitz“ . Dieser Slogan - der Ort in der Mitte wird dabei ausgetauscht - wird Woche für Woche in Fußballstadien gesungen. Auch in Trier kann man diesen Spruch manchmal hören, von einheimischen wie von Gästefans. Antisemitismus hat im Fußball seinen Platz, analog zu seiner Präsenz in der Gesellschaft. Der Begriff Jude wird im Fußball durchgängig als Schimpfwort benutzt gegenüber gegnerischen Fans, gegnerischen Vereinen oder dem Schiedsrichter. „Was für Hitler die Juden und Bin Laden die USA, ist für uns Homburg und sein FCH.“ Dieses Transparent, das bis vor wenigen Wochen noch im Internet zu sehen war, zeigten Fans von Borussia Neunkirchen im Saarlandpokal-Viertelfinale am 3. Mai 2006. Bei solchen Sprüchen und beim so genannten Auschwitz-Lied fällt auf, dass Polizei und Vereinsordner daneben stehen, aber meist nicht eingreifen. Die Referenten sind selbst überzeugte und praktizierende Fußballfans. Mit ihrem Vortrag richten sie sich an alle, die die oben beschriebenen Phänomene aus eigener Anschauung kennen, sich bisher aber nicht trauten, im Stadion aktiv dagegen vorzugehen. Angesprochen sind auch allgemein an Fußball Interessierte, die nicht ins Stadion gehen, sondern Fußball via TV und Printmedien konsumieren. Die Veranstalterinnen laden ausdrücklich zur Diskussion über Handlungsalternativen ein, mit denen der Antisemitismus im Stadion bekämpft werden kann. Weitere Informationen: Aktion 3.Welt Saar, Weiskirchener STr. 24, 66679 Losheim am See, Telefon 06872 / 99030-56, E-Mail:mail@a3wsaar.de, www.a3wsaar.de


9.10.2008

Die "Internationale Liga für Menschenrechte" informiert über die

Demonstration "FREIHEIT STATT ANGST - Stoppt den Überwachungswahn!" in Berlin am Samstag, den 11. Oktober ab 14.00 Uhr

Bürgerrechtlerinnen und Bürgerrechtler sowie zahlreiche Organisationen, unter ihnen die "Internationale Liga für Menschenrechte", rufen bundesweit zur Teilnahme an einer Demonstration gegen die ausufernde Überwachung durch Wirtschaft und Staat auf.

Am Samstag, den 11. Oktober 2008 werden besorgte Bürgerinnen und Bürger in Berlin unter dem Motto "Freiheit statt Angst - Stoppt den Überwachungswahn!" auf die Straße gehen. Treffpunkt ist der Alexanderplatz um 14.00 Uhr.

Info-Faltblatt s. pdf-Anlage 1. Unterstützer-Liste: pdf-Anlage 2.

Hier der offizielle Demo-Aufruf:

Der Überwachungswahn greift um sich. Staat und Unternehmen registrieren, überwachen und kontrollieren uns immer vollständiger. Egal, was wir tun, mit wem wir sprechen oder telefonieren, wohin wir uns bewegen oder fahren, mit wem wir befreundet sind, wofür wir uns interessieren, in welchen Gruppen wir engagiert sind - der "große Bruder" Staat und die "kleinen Brüder und Schwestern" aus der Wirtschaft wissen es immer genauer. Der daraus resultierende Mangel an Privatsphäre und die Vertraulichkeit gefährdet die Freiheit des Glaubensbekenntnisses, die Meinungsfreiheit, die Pressefreiheit, die Koalitionsfreiheit, Unternehmensintegrität, die Arbeit von Ärztinnen und Ärzten, Beratungsdiensten und Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten.

Die vielfältige Agenda der Reform des Sicherheitssektors umfasst die Aufhebung der Trennung von Polizei, Geheimdiensten und Militär, und gefährdet damit die Gewaltenteilung und -balance. Unter Einsatz von Massen-Überwachungstechnologie führt die grenzenlose Zusammenarbeit von Militär, Geheimdiensten und Polizeibehörden zum Aufbau von "Festungen" in Europa und anderen Kontinenten, die sich gegen Flüchtlinge und anders aussehende Menschen richten, aber zum Beispiel auch politische Aktivisten, arme und unterprivilegierte Menschen und Sportfans betreffen.

Menschen, die sich ständig beobachtet und überwacht fühlen, können sich nicht unbefangen und mutig für ihre Rechte und eine gerechte Gesellschaft einsetzen. Massenüberwachung setzt damit die Basis einer demokratischen und offenen Gesellschaft aufs Spiel. Massenüberwachung gefährdet auch die Arbeit und das Engagement von Organisationen der Zivilgesellschaft.

Überwachung, Misstrauen und Angst verändern unsere Gesellschaft schrittweise in eine Gesell-schaft unkritischer Verbraucher, die "nichts zu verbergen haben" und dem Staat gegenüber - zur vermeintlichen Gewährleistung totaler Sicherheit - ihre Freiheitsrechte aufgeben. Eine solche Gesellschaft wollen wir nicht!

Wir wissen, dass der Respekt vor unserer Privatsphäre einen wichtigen Teil unserer menschlichen Würde darstellt. Eine freie und offene Gesellschaft kann ohne bedingungslos private Räume und Kommunikation nicht existieren. Die zunehmende elektronische Erfassung und Überwachung der gesamten Bevölkerung bietet keinen verbesserten Schutz vor Kriminalität. Sie kostet Millionen von Euro und gefährdet die Privatsphäre unschuldiger Bürger. Wo Angst und Aktionismus regieren, bleiben gezielte und nachhaltige Maßnahmen zur Stärkung der Sicherheit ebenso auf der Strecke wie ein Angehen der wirklichen, alltäglichen Probleme der Menschen; zum Beispiel Arbeitslosigkeit und Armut. Um gegen Sicherheitswahn und die ausufernde Überwachung zu protestieren, gehen wir am Samstag, den 11. Oktober 2008 in Berlin unter dem Motto "Freiheit statt Angst - Stoppt den Überwachungswahn!" auf die Straße. Treffpunkt ist der Alexanderplatz um 14.00 Uhr. Der Pro-testmarsch durch die Stadt wird mit einer großen Abschlusskundgebung vor dem Brandenburger Tor enden.

Wir rufen alle Bürgerinnen und Bürger auf, an der Demo teilzunehmen. Die Politiker sollen sehen, dass die Bürgerinnen und Bürger für ihre Freiheiten wieder auf die Straße gehen! Auf der Demo-Homepage (http://www.FreiheitStattAngst.de) finden sich jeweils die neuesten Infos zur Demo, zu Anreisemöglichkeiten und zu Möglichkeiten, mitzuhelfen.


Göttingen, 05.10.2008

Kriminalisierung von G8-GegnerInnen nach §129a fehlgeschlagen: Ermittlungen eingestellt

Längst überfällig - nämlich eineinhalb Jahre nach dem Gipfel in Heiligendamm - wurden die vollkommen haltlosen 129a-Verfahren gegen G8-GegnerInnen endgültig eingestellt.

In den frühen Morgenstunden des 09.05.2007 drangen 900 PolizistInnen auf Anweisung der Bundesanwaltschaft in 40 Wohnungen, linke Projekte und Büros ein, durchsuchten sie und beschlagnahmten ungeheure Mengen an Akten, Computern und anderen Unterlagen. Betroffen waren in erster Linie öffentlich arbeitende linke Projekte in Berlin und Hamburg, aber auch solche in Bremen, Schleswig-Holstein, Brandenburg und Niedersachsen. Anlass dieser Großrazzia war die groteske Konstruktion der Bundesanwaltschaft, G8-GegnerInnen hätten zum Zwecke der koordinierten Verhinderung des Treffens der einflussreichsten Industrienationen der Welt eine „terroristische Vereinigung“ (§129a) gegründet.

Nun hat die Hamburger Staatsanwaltschaft alle seither anhängigen Verfahren gegen insgesamt 18 GlobalisierungsgegnerInnen eingestellt: Der Tatverdacht habe nicht ausgereicht, „um Anklage zu erheben“. Damit wurde das bereits im Dezember 2007 getroffene Urteil des Bundesgerichtshofes bestätigt, wonach diese bundesweite Repressionsmaßnahme rechtswidrig gewesen sei, da weder Paragraf 129 noch 129a (kriminelle bzw. terroristische Vereinigung) zur Anwendung kommen könne.

Dieser Fall zeigt wieder einmal, dass der Gummiparagraf 129ff praktisch ausschließlich Ermittlungszwecken dient. Diese mit hohem organisatorischen, infrastrukturellen und justiziellen Aufwand betriebene polizeistaatliche Maßnahme verfolgte nicht primär das Ziel, eine vermeintliche „terroristische Vereinigung“ auszuheben, sondern sollte einmal mehr politische Strukturen durchleuchten, präventiv kriminalisieren und Erstellung eines linken Szeneprofils ermöglichen. Auch wenn dieser Zweck erfüllt wurde, werten wir die staatsanwaltschaftliche Einstellung als Erfolg.

In den seither vergangenen eineinhalb Jahren konnte staatlicherseits zu keinem Zeitpunkt belegt werden, womit die Angriffe auf jene unter Terrorismusverdacht gestellten Zusammenhänge juristisch zu begründen seien. Trotzdem hat die dabei erhobene Flut an Daten selbstverständlich Eingang gefunden in den staatlichen Datenpool, der perspektivisch dazu genutzt werden kann, aufkeimenden Widerstand unter Kontrolle zu halten.

Die Rote Hilfe e.V. protestiert nochmals gegen alle staatlichen Versuche, den legitimen Widerstand gegen den G8-Gipfel zu kriminalisieren. Sie wird sich weiter für die Abschaffung der Ermittlungsparagrafen 129, 129a und 129b einsetzen.

Mathias Krause für den Bundesvorstand der Roten Hilfe e. V.


Heidelberg, den 5. Oktober 2008

500 TeilnehmerInnen bei Nachttanzdemo für ein neues Autonomes Zentrum

Fast 500 überwiegend junge Menschen haben am Samstagabend mit einer „Nachttanzdemo“ für ein neues Autonomes Zentrum in Heidelberg demonstriert. Begleitet von fünf Wägen, welche die Demonstration mit DJ’s und Live-Acts begleiteten, tanzten sie vom Hauptbahnhof durch die Hauptstraße bis zum Universitätsplatz, wo die Parade am späten Abend mit einer Abschlusskundgebung beendet wurde. Die „Nachttanzdemo“ bildete den fulminanten Abschluss der „Aktionswoche für ein neues selbstverwaltetes Zentrum in Heidelberg“. Zu der Demonstration hatte eine ganze Reihe unterschiedlicher linker Gruppen aufgerufen. Nach massiven Interventionen und Einschüchterungen durch das Dezernat Staatsschutz der Heidelberger Kriminalpolizei hatte der Jugendgemeinderat, der das Projekt ursprünglich unterstützt hatte, seine Beteiligung abgesagt. (vgl. unsere Presseerklärung vom 29.08.2008) Ungeachtet dieser staatlichen Drohgebärden tanzten und demonstrierten an die 500 Menschen in ebenso entschlossener wie ausgelassener Stimmung. Von Resignation oder der vielbeschworenen „Politikverdrossenheit“ war an diesem Samstag jedenfalls nichts zu spüren. Die Polizei, die ein völlig überdimensioniertes Aufgebot von mehreren Hundertschaften zusammengezogen hatte, hielt sich im Hintergrund, so dass die Demonstration ohne Zwischenfälle durchgeführt werden konnte. Auch neun Jahre nach der Räumung des AZ in der Alten Bergheimer Straße war die Demonstration bestimmt durch das Anliegen, endlich ein Ersatzprojekt zu schaffen, in dem linke Politik und Kultur wieder einen Raum finden können - ein Versprechen der Stadtverwaltung, das bis heute nicht eingelöst ist. Wir werten die große Beteiligung an der Nachttanzdemo als ein Zeichen dafür, dass die Forderung nach einem neuen selbstverwalteten Zentrum nicht nur notwendig und berechtigt ist, sondern auch heute noch große Unterstützung vor allem unter Jugendlichen hat. Die Strategie der Stadtverwaltung, das Thema durch beharrliches jahrelanges Totschweigen von der Tagesordnung zu streichen, wird – das hat die gestrige Nachttanzdemo gezeigt - jedenfalls nicht aufgehen. Selbstverwaltung und widerständische Kultur sind nicht ersetzbar durch Sozialarbeiter oder pädagogische Betreuungsangebote – sie erfordern wirkliche Freiräume abseits von Konsum, Kommerz und städtischer Kontrolle. Wir werden auch weiterhin dafür sorgen, dass die Parole „Kein Tag ohne Autonomes Zentrum“ allen staatlichen Einschüchterungsversuchen zum Trotz in der Stadt präsent bleibt und zu einem Faktor wird, mit dem die Stadtoberen zu rechnen haben.

Antifaschistische Initiative Heidelberg (AIHD) Autonomes Zentrum (im Exil) Heidelberg


4.10.2008

Will Gießener Justiz Skandal vertuschen?

Hohe Haftstrafen wegen zerstörtem Genfeld: Prüfung umfangreiche Rechtsbeugung soll offenbar verhindert werden!

2006 stürmten vier Personen nach öffentlicher Ankündigung ein Genversuchsfeld der Uni Gießen. Alle wurden noch auf der Fläche verhaftet, doch mit dem Strafverfahren taten sich Staatsanwaltschaft und Gerichte schwer. Zuerst sollte das Verfahren ganz eingestellt werden. Dann wurden in der Hauptverhandlung alle fachbezogenen Fragen, auch Anträge und Fragen zu Gefahren und Rechtsbrüchen beim umstrittenen Genversuch verboten. Schließlich wurde sogar ein Angeklagter aus dem Prozess ausgeschlossen, um Kritik an der Verhandlungsführung zu verhindern. Am Ende stand ein spektakuläres Urteil: Sechs Monate Haft ohne Bewährung. Was schon damals etliche BeobachterInnen mutmaßten, wird nun durch das schriftliche Urteil und das Gerichtsprotokoll bestätigt. Diese liegen seit wenigen Tagen vor und zeigen: Der Prozess war eine abgekartetes Spiel. Amtsrichter Frank Oehm, auf Karrierekurs Richtung Staatsgerichtshof – vorgeschlagen von FDP und CDU – wollte die Gentechnikkritiker abschrecken und gleichzeitig die Universität Gießen schützen. Denn Fragen zum Genversuch hätten gezeigt: Der Versuch ist illegal, bei der Versuchsdurchführung traten etliche Pannen auf, mehrere Sicherheitsauflagen wurden nicht eingehalten und der Zweck des Versuches war ein ganz anderer als angegeben.

Massive Rechtsbrüche im Prozessverlauf Um unangenehme Enthüllungen über den Genversuch zu verhindern, verbot Richter Oehm nicht nur alle entsprechenden Fragen, sondern verzichtete auf alle Zeugen, die direkt am Versuch beteiligt waren. Projektleiter Prof. Kogel stand zwar auf dem Ladungsplan, wurde aber kurzfristig abgeladen. Die beiden vernommenen MitarbeiterInnen der Uni konnten sie sich bei vielen Fragen z.B. zur Schadenshöhe nur auf ein Hörensagen und Prof. Kogels Angaben beziehen. Nach Strafprozessordnung hätte das nicht gereicht. Doch Oehm wollte Kogel schützen und schrieb ins Urteil, dass jemand anders die Zahlen genannt hätte. Mitschriften und das offizielle Gerichtsprotokoll aber beweisen nun: Eine glatte Lüge. Ebenso verfasste Oehm im Urteil einen längeren Absatz, dass es keine Rechtfertigungen für das Handeln der Angeklagten gäbe. Nach § 34 StGB hätte er das in der Tat prüfen müssen. Doch das Gerichtsprotokoll weist klar nach: Im Prozessverlauf wurde nie darüber gesprochen. Den Höhepunkt an Rechtsbeugung bildeten jedoch die Rauswürfe vieler Zuschauerinnen und eines Angeklagten. Letzterer kannte sich bestens mit dem umstrittenen Genversuchsfeld aus – sein Rauswurf diente dem Ziel, jegliche Debatte über das heikle Experiment zu verhindern. Richter Oehm begründete seinen Rauswurf noch in der Verhandlung damit, dass der Angeklagte den Richter angeschrieen hätte. Doch die inzwischen vorliegende Tonbandaufzeichnung beweist sogar das Gegenteil. Nach dem vermeintlichen Anschreien und noch vor dem Rauswurf hatte der Richter alle Angeklagten und den Verteidiger gelobt für ihre sachliche Art. Das offizielle Gerichtsprotokoll vermerkt schlicht gar keinen solchen Vorgang. Der Rauswurf war also reine Willkür, politisch motiviert. Um einer sicheren Niederlage in der Revision zu entgehen, schrieb Oehm das Urteil um und behauptete nun, der Angeklagte sei für alle Störungen aus dem Publikum verantwortlich, weil er die Personen dort steuere. „Wie absurd – selbst für die Störungen lange nach meinem rechtswidrigen Rauswurf werde ich noch verantwortlich gemacht“, kritisiert der Betroffene den Richter. „Das ist pure Rechtsbeugung: Der Richter hat keine Gründe für seine Maßnahmen und denkt sich deshalb welche aus“. Pech auch für Richter Oehm, dass sein eigener Beschluss zum Rauswurf des Angeklagten das Urteil widerlegt. Dort ist das Publikum nämlich gar nicht erwähnt. Formal hätte das aber auch nichts mehr genützt, denn zulässig wäre es ohnehin nicht, für Handlungen von ZuschauerInnen den Angeklagten von der Verhandlung auszuschließen.

Rechtsbeugungen sollen gedeckt werden Wahrscheinlich hätte sich das Amtsgericht Gießen auf eine Wiederholung der grotesken Veranstaltung einstellen müssen. Für den Oehm drohte ein Karriereknick. Die massiven Rechtsbrüche hätten nämlich in einer direkten Rechtsüberprüfung (Sprungrevision) vorgebracht werden können. „Es war unser Ziel gewesen, die Rechtsfehler dieser ersten Instanz anzugreifen, damit solche Willkürakte keine Schule machen. Oehm ist immer Vizepräsident des Amtsgerichts“, begründeten die Angeklagten diesen Plan. Doch diese Überprüfung will die Staatsanwaltschaft offenbar verhindern und so den rechtsbeugenden Richter retten. Sie legte Berufung ein - obwohl das Urteil genau so ausfiel, wie sie es beantragt hatte. Die Angeklagten dazu: „Das ist ein mieser Trick. Durch die Berufung kann es zu keiner Revision über die Oehmschen Rechtsbeugungen kommen.“ Zudem habe die Staatsanwaltschaft keine Gründe für ihre Berufung angegeben, was den eigenen Richtlinien nicht entspricht. So vertuscht sie nun Rechtsbeugungen mit erneuten Rechtsbrüchen.

Traurige Fortsetzung jahrelanger Gießener Skandaljustiz Mit dem Geschehen rund um das Strafverfahren gegen die zwei der vier FeldbefreierInnen von 2006 treiben die Auseinandersetzungen vor Gießener Gerichten neue und immer seltsamere Blüten. Seit Jahren schon versuchen Strafverfolgungsbehörden von Polizei bis Gerichten und daran interessierte Kreise in Regierungen und Institutionen, die unbequemen AktivistInnen aus dem Umfeld der Projektwerkstatt hinter Gitter zu bringen. Die aber haben sich inzwischen ein erhebliches Know-How im Umgang mit Strafrecht zugelegt und konnten in Gerichtsverhandlungen bereits mehrfach Lügen und Erfindungen von Polizei und Gerichten nachweisen. Darunter waren spektakuläre Polizeieinsätze und Verhaftungen, bei denen Straftaten völlig frei erfunden und Unbeteiligten untergeschoben wurden, obwohl die Polizei die Betroffenen an anderen Orten selbst observierte. Fast 30 Ermittlungsverfahren gegen PolizistInnen, RichterInnen aus Gießen und den bei vielen dieser teilweise fernsehreifen Einsätze im Hintergrund stehenden hessischen Innenminister Bouffier hat es inzwischen gegeben. Die meisten laufen inzwischen bei der Staatsanwaltschaft Wiesbaden, weil die Gießener Staatsanwaltschaft wegen der eigenen Verquickung in die Vorgänge als befangen gilt. „Das wiederholt sich hier“, sagt der vom Prozess ausgeschlossene und dann verurteilte Feldbefreier Jörg B.: „Eigentlich wäre es konsequent, auch hier das Verfahren an einen anderen Ort zu verlegen oder zumindest eine externe Staatsanwaltschaft zu beauftragen. Der Filz in Gießen ist zu krass.“ Immerhin eines aber hält die Verurteilten bei Laune: Sichtbar hatte ihre offensive Prozessführungstaktik die Justiz zu den Rechtsbrüchen gezwungen. „Es kommt jetzt darauf an, ob die das mit weiteren Rechtsbrüchen ausbügeln können oder ob irgendwann Schluss ist – allmählich wandelt sich der Laden ja zu einer einzigen kriminellen Vereinigung.“ Wie es weitergeht, ist offen.

Prozessverlauf, Gegenüberstellungen von Urteil, Mitschriften und Auszügen aus dem Protokoll sowie etliche weitere Dokumente sind zusammengestellt auf www.projektwerkstatt.de/gen/prozess.htm.


§129a-Verfahren "Militante Kampagne gegen den G8-Gipfel" eingestellt 

Erklärung Betroffener

Presseerklärung Hamburg, 1. Oktober 2008

Das mit den bundesweiten Durchsuchungen am 9. Mai 2007 bekannt gewordene §129a-Verfahren (Bildung einer terroristischen Vereinigung) ist am 24. September 2008 eingestellt worden.

Es wurden 18 Personen beschuldigt einer „militanten Kampagne gegen den G8-Gipfel“ anzugehören.

Der BGH hatte bereits mit Beschluss vom 20.12.07 entschieden, dass Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung gemäß §129a STGB schon aus rechtlichen Gründen ausscheide, aber auch keine hinreichende Verdachtslage hinsichtlich der Bildung einer kriminellen Vereinigung gemäß §129 STGB gegeben sei. Daraufhin gab die BAW das Verfahren an die Staatsanwaltschaft Hamburg ab. Diese zögerte die Einstellung nahezu 9 Monate hinaus. Erst mit Bescheid vom 24.9.08 wurde das Ermittlungsverfahren wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung bei allen Betroffenen ohne jede Begründung eingestellt.

Das Rad der Geschichte lässt sich nicht so einfach zurückdrehen – und das ist auch gar nicht beabsichtigt. BAW, VS, BKA und LKA haben zumindest teilweise das erreicht, was sie vorhatten. Sie haben Daten gesammelt, Strukturen durchleuchtet, bundesweit ein Manöver durchgeführt, um ihre Apparate zu koordinieren und die Funktionsfähigkeit auszuprobieren, und sie haben die politische Konsensfähigkeit ihrer Strategien ausgetestet. Und sie haben versucht, eine Stimmung der totalen Kontrolle und Überwachung zu verbreiten.

Die Auswirkungen auf uns - die Verfolgten - und auf die gesamte Gesellschaft sind nicht zu ignorieren und sind durch den BGH-Beschluss und den der Staatsanwaltschaft Hamburg nicht rückgängig zu machen.

Der größte Teil der Ermittlungen ist vom Verfassungsschutz durchgeführt worden und Ergebnisse und Handlungsvorschläge wurden dem BKA zur Verfügung gestellt. Das ist aus den Akten ersichtlich. Hier wird eine sehr enge Zusammenarbeit von Geheimdienst und Polizei sichtbar. Nicht zufällig wurde nach dem zweiten Weltkrieg – als Reaktion auf den deutschen Faschismus und den unsäglichen Erfahrungen mit dem allmächtigen „Reichssicherheitshauptamt“ - die Arbeit von Geheimdienst und Polizei per Festlegung der Allliierten 1949 getrennt. Das scheint heute aber keine Rolle mehr zu spielen. (siehe http://www.cilip.de/terror/vdj.htm )

Weiter wurden auch Ermittlungen des Staatssicherheitsdienstes der früheren DDR (STASI) herangezogen. Aus den Ermittlungs-Akten wird auch ersichtlich, dass das BKA unmittelbar mit Sozialamt, Arbeitsamt, Finanzamt, Verkehrsamt, Ordnungsamt, Versicherungen, Ausländerbehörde und Banken usw. zusammenarbeitete.

Kein anderer Paragraf eröffnet dem Staatsschutz so viele Möglichkeiten an Überwachung und Ausforschung wie der § 129a oder b. Im Rahmen der aktuellen Verfahren hat er über einen langen Zeitraum seine ganzen technischen Möglichkeiten ausgeschöpft. Flächendeckende Observationen, Telefonüberwachung, e-Mail Überwachung, Postüberwachung, Filmaufnahmen, Peilsender, Rasterfahndung, Einsatz verdeckter Ermittler, Verwertung geheimdienstlich erlangter Informationen (nach dem G10-Gesetz), Aufhebung des Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnisses, akustische Raumüberwachung, großer Lauschangriff usw.

Diese Überwachungsmaßnahmen haben weit mehr Leute getroffen als die unmittelbar Beschuldigten.

Aber uns scheint, dass zumindest ihr Konzept der Einschüchterung, Verunsicherung und Spaltung des Widerstandes nicht aufgegangen ist.

Große Teile der Öffentlichkeit reagierten mit Unverständnis und Protest. Wir haben viel Unterstützung erfahren. Ein Ausdruck davon sind die vielen Solidaritätserklärungen, Veranstaltungen und Demonstrationen, wie die Demonstration am 15. 12. 07 in Hamburg unter dem Motto: »gegen den kapitalistischen Normalzustand, gegen Überwachungsstaat und Repression«. Die Mobilisierung gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm bekam einen neuen Schub.

Der Stein, den sie gegen uns erhoben haben ist auf ihre eigenen Füße gefallen. Sorgen wir dafür, dass das so weitergeht.

Einer der Beschuldigten – unser Freund und Genosse Joachim Täubler – ist für uns alle vollkommen unerwartet gestorben. Er war der staatlichen Überwachung, wie Verwanzung der Wohnung, Videoüberwachung des Hauseinganges, besonders stark ausgesetzt. Wir fühlen uns mit seinen politischen Ideen und Aktivitäten weiterhin stark verbunden.

Solidarische Grüße an Axel, Florian und Oliver. Sie stehen zur Zeit mit der Anklage §129 STGB (kriminelle Vereinigung) – Mitgliedschaft in der mg (militante gruppe) – und versuchter Brandstiftung gegen Militärfahrzeuge in Berlin vor Gericht. Wegen Widerstand, der das Ziel hat, die Gewalt des Krieges, die Kriegswirtschaft, sowie das Militär anzugreifen, um eine Situation der Besatzung, der Ermordung von Zivilist_innen und die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen zu unterbinden.

Einige Betroffene des nun eingestellten §129(a)-Verfahrens.

Mehr zu dem Verlauf des Verfahrens findet sich im Internet, u.a. auf folgender Seite: "http://www.Maus-Bremen.de":http://www.Maus-Bremen.de (im Menü unter: „Zu den bundesweiten Razzien am 9.5.07“).


Presseerklärung

Hamburg, den 1. Oktober 2008

 

 

Das mit den bundesweiten Durchsuchungen von über 40 Wohnungen und Projekten am 9. Mai 2007 bekannt gewordene §129a-Verfahren (Bildung einer terroristischen Vereinigung) ist am 24. September 2008 eingestellt worden.

Es wurden 18 Personen beschuldigt einer „militanten Kampagne gegen den G8-Gipfel“ anzugehören.

 

Der BGH hatte bereits mit Beschluss vom 20.12.07 entschieden, dass Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung gemäß §129a STGB schon aus rechtlichen Gründen ausscheide, aber auch keine hinreichende Verdachtslage hinsichtlich der Bildung einer kriminellen Vereinigung gemäß §129 STGB gegeben sei. Daraufhin gab die BAW das Verfahren an die Staatsanwaltschaft Hamburg ab. Diese zögerte die Einstellung nahezu 9 Monate hinaus. Erst mit Bescheid vom 24.9.08 wurde das Ermittlungsverfahren wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung bei allen Betroffenen ohne jede Begründung eingestellt.

Das Rad der Geschichte lässt sich nicht so einfach zurückdrehen – und das ist auch gar nicht beabsichtigt. BAW, VS, BKA und LKA haben zumindest teilweise das erreicht, was sie vorhatten. Sie haben Daten gesammelt, Strukturen durchleuchtet, bundesweit ein Manöver durchgeführt, um ihre Apparate zu koordinieren und die Funktionsfähigkeit auszuprobieren, und sie haben die politische Konsensfähigkeit ihrer Strategien ausgetestet. Und sie haben versucht, eine Stimmung der totalen Kontrolle und Überwachung zu verbreiten.

Die Auswirkungen auf uns - die Verfolgten - und auf die gesamte Gesellschaft sind nicht zu ignorieren und sind durch den BGH-Beschluss und den der Staatsanwaltschaft Hamburg nicht rückgängig zu machen.<